NepomukKunst zwischen leeren Biertragerl und Bananenschalen

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Die vielleicht teuerste Banane der Welt. Fast sechs Millionen Euro bezahlte ein Sammler für das Kunstwerk von Maurizio Cattelan.
Die vielleicht teuerste Banane der Welt. Fast sechs Millionen Euro bezahlte ein Sammler für das Kunstwerk von Maurizio Cattelan. (Foto: KENA BETANCUR/AFP)

In New York wurde vergangene Woche eine an die Wand geklebte Banane für mehrere Millionen Euro versteigert. Und in Starnberg? Bringt das den Wassergeist auf eine Idee.

Von eurem Nepomuk, Starnberg

Rumms, und dann liegt er da am Seegrund. Der ungeliebte Mist, den niemand mehr haben wollte. Flaschen, Unrat, alles Erdenkliche. Und oft genug landet er direkt neben mir, so dass ich erschrecke und mich gar nicht mehr einkriege. Wenn ich mich also mit einem auskenne, dann mit Dingen, die die Menschen loswerden wollen. Was glaubt ihr denn, was alles so im Starnberger See versenkt wird? Manchmal frage ich mich allerdings, ob es so klug war, dieses oder jenes zu entsorgen. Denn manches ist – ganz gemäß der Frage: Ist das Kunst oder kann das weg? – wahrlich ein Kulturobjekt. Ausdruck unserer Zeit. Gegenwärtigkeit zum in die Flosse nehmen.

Vertraut eurem alten Seegeist bei dieser Einschätzung. Kunst ist zwar alles andere als einfach, ganz im Gegenteil: Oft ist sie verkopft, verquer und nicht zu verstehen. Etwas für Großkopferte halt, die daherkommen und einem die Welt erklären wollen. Aber ein Kunstverständnis, das habe ich als Seebewohner natürlich schon. Zumal als Geist, der dann ausgerechnet im Starnberger See haust. Dieser etwas zu groß geratenen Badewanne, die seit Generationen … ach was, seit Jahrhunderten die Künstler anzieht wie Trockenbrot die Enten. (Auch wenn das für die gefiederten Kollegen gar nicht mal so bekömmlich ist.)

Überlegt, ins Seebananengeschäft einzusteigen: der Nepomuk.
Überlegt, ins Seebananengeschäft einzusteigen: der Nepomuk. (Foto: Bernd Schifferdecker)

Der See selbst ist natürlich ein Kunstwerk an und für sich, aber das ist ein Thema für wann anders. Zurück zum Seegrund also, wo sich aus Holzresten, Biertragerl – leider meist leer – und alten Schränken ziemlich viele Statuen bauen lassen. Oder Plastiken. Oder Installationen. Man könnte sie sicher auch ausstellen. Aber auf Vernissagen werden immer nur Künstler aus dem Fünf-Seen-Land eingeladen und leider nie jemand aus einem der Seen.

Was dort unten allerdings nur selten landet, und das stelle ich mit großem Bedauern fest, sind Bananen. Zumindest ganze, aus Bananenschalen habe ich schon Kappen noch und nöcher gebastelt. Warum ich das bedauere? Weil man mit Bananen derzeit auf dem Kunstmarkt wahnsinnig erfolgreich sein kann. In New York wurde vergangene Woche eine Banane, die mit Panzertape an eine weiße Wand geheftet wurde, für fast sechs Millionen Euro versteigert. Aus Geld macht sich ein Seegeist nichts, aber Geld, das ist in der Kunstwelt auch immer ein Marker für Ruhm. Und den würde selbst ein Seegeist wie ich nicht ausschlagen.

Die Banane, die als Teil des Kunstwerks in New York versteigert wurde, wurde laut einer amerikanischen Zeitung bei einem Obststand vor dem Auktionshaus für ein paar Cent gekauft. Bei dem Einkaufspreis wundert es mich nicht, wenn sie bald nicht mehr ist. Der neue Besitzer hat ohnehin schon angekündigt, das Ding essen zu wollen, bevor es schlecht wird. Nachahmer jedenfalls haben sich weltweit gefunden, auch hier bei uns sollen schon Bananen an Wänden kleben. Vermutlich sind es Bananen aus dem Supermarkt.

Ein Vorschlag zur Güte: Nehmt doch statt irgendeiner Banane lieber welche, bei denen ich für die Qualität bürgen kann. Ozeane haben Seegurken, ich bald Starnberger Seebananen. Also zumindest hoffe ich das. Denn erst einmal muss ich hier am Seegrund Bananen finden.

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