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Nepomuk-Kolumne:Wer hat einen Zipfelbob?

Hänge weiß, Sportgeschäfte geschlossen: Da sind gebrauchte Ski und Rodel heiß gehandelte Waren

Kolumne von Eurem Nepomuk

Mir hat ein Onkel einmal von einem entfernten Verwandten erzählt, der einen kennt, der manchmal am Wochenende in aller Herrgottsfrüh raus ist mit seiner blechernen Schneeschaufel und damit über den Gehsteig geschabt hat. Auch wenn es gar nicht geschneit hat. Nur so zur Gaudi. Zum Schauen, wie dann überall die Rollläden hochgehen, wegen Räumpflicht und so. Dem würd' ich ja was husten, liebe Leut', einen so zu erschrecken.

Aber jetzt gibt es doch glatt mitten im Januar völlig überraschend Schnee und gefroren hat es auch ganz ordentlich. Wie das glitzert draußen, herrlich ist das. Schaut doch gleich viel freundlicher aus, wenn alles so weiß ist. Die wenigen Geräusche, die es noch gibt, klingen gedämpft. Mehr so: mumpf. Und, habt Ihr's gemerkt? Es ist gleich viel heller geworden seit Donnerstag. Zehnmal mehr Licht als sonst, selbst an einem grauen Tag wie heute noch um die 15 000 Lux, was nach einer ganzen Menge klingt. Ist in dieser Woche in der Zeitung gestanden.

Und jetzt pressiert's. Am Weßlinger See geht zwar noch nichts. Da sind Anfang der Woche sogar noch Schwäne im dünnen Eis eingebrochen; hab ich selbst gesehen. Aber die Seachtn bei Andechs ist schon zugefroren, am Arschbackenbergerl am Ortsrand von Gauting und am Kreuzmöslberg zwischen Berg und Aufkirchen dürften schon optimale Pistenverhältnisse herrschen. Weg mit der Blechschaufel, jetzt müssen Ski-Bob-Rodel-Schlitten her und zwar geschwind.

Blöd nur, wenn in Speicher, Keller und Schuppen das passende Wintersportgerät gerade nicht mehr vorrätig ist. Schlittschuhe zu klein, Eishockeyschläger gebrochen, Rutschteller nicht auffindbar. Da ist statt der Neuware guter Rat teuer. Die Geschäfte sind nämlich schon seit mehr als zwei Wochen zu; da ist nichts mehr zu holen. Stattdessen ist Nachbarschaftshilfe gefragt. Im ganzen Fünfseenland mitsamt Würmtal wird gesucht, getauscht, verschenkt und sich ausgeholfen, dass es eine Freude ist.

Da war zum Beispiel kürzlich via Internet ein Zipfelbob gefragt, weil sich herausgestellt hat, dass auf einen zwei Kinder ganz schlecht drauf passen. Und ruckzuck war schon eines dieser Kult-Kunststoffgefährte mit der ergonomischen Sitzform gefunden. Andernorts waren Eishockeyschläger gefragt, Erwachsenengröße, für Linkshänder.

Ich hingegen werde mich für den Fall, dass es völlig überraschend im August warm und bis dahin wieder alles gut werden sollte, schon mal auf die Suche nach einem Gummiboot machen. Stets seiner Zeit voraus grüßt

© SZ vom 09.01.2021
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