SZ-Kolumne: Nepomuk"Verfelixte" Befangenheit

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Felix Schiller siegt beim Jesolo Ironman 70.3 in seiner Altersklasse und qualifiziert sich für die Weltmeisterschaft.
Felix Schiller siegt beim Jesolo Ironman 70.3 in seiner Altersklasse und qualifiziert sich für die Weltmeisterschaft. privat

Herrschings Bürgermeister Christian Schiller hat's schwer: Sein Sohn Felix gewinnt mittlerweile international renommierte Triathlon-Wettkämpfe.  Zeit also für eine Ehrung – aber schickt sich das bei einem Familienangehörigen?

Von eurem Nepomuk, Herrsching

Den Spruch kennt ihr sicher: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Meine Mutter, nie besonders an Ortswechseln interessiert, brachte ihn immer just in dem Moment, in dem sich jemand nach einem Urlaub an einem exotischen Reiseziel über Durchfall beklagte. Oder über unbequeme Betten, zu viel Hitze oder gar zu viele Mücken. Der zweite Satz war dann immer: Wärst daheim geblieben, wär' dir das nicht passiert. Falsch, liebe Mama, das kann einem daheim mittlerweile genauso passieren.

Hätte ich ihr am liebsten auch immer ins Gesicht gesagt. Aber Widerspruch? Eh zwecklos. Der Felix Schiller kennt das bestimmt auch.  Vielleicht weniger wegen seiner Mama, sondern eher wegen seines Papas. Der hat nämlich ein Problem: Was tun, wenn der eigene Sohn so ein extrem guter Triathlet geworden ist? Um es gleich vorweg zu schicken: Es geht hier nicht darum, dass der Herrschinger Rathauschef Christian Schiller seinem Buben auf dem Radl nicht mehr hinterherkommt. Selbst dann nicht, wenn er sich einen Turboantrieb einbauen ließe. Nein, nein, nein. Darum geht es nicht.

Es geht eher um die schillernde Schiller-Show, die der Bürgermeister alljährlich statt eines stinknormalen Jahresempfangs abzieht. Die ist wirklich toll, weil dort Menschen, die Großartiges geleistet haben, auf eine Weise geehrt werden, die tatsächlich großes Kino ist. Sportler sind da natürlich auch immer dabei. Nur der Felix nicht. Dabei zieht der einen Triathlon nach dem anderen durch. Das heißt, jedes Mal 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radeln und dann noch einen Marathon laufen, 42 Kilometer weit. Puh. Ich bin ja schon außer Atem, wenn ich mir das nur vorstelle.

Seegeist Nepomuk bekommt schon Schweißausbrüche, wenn er sich nur vorstellt, was Felix Schiller bei seinen internationalen Triathlon-Wettkämpfen leistet.
Seegeist Nepomuk bekommt schon Schweißausbrüche, wenn er sich nur vorstellt, was Felix Schiller bei seinen internationalen Triathlon-Wettkämpfen leistet. Bernd Schifferdecker

Aber ich bin ja auch kein „Ironman“ wie der Felix: Erst im vergangenen Jahr war er bei dem wahrscheinlich anspruchsvollsten Ausdauerwettkampf auf Hawaii dabei. Sein Papa war auch dort, die Mama ebenso, und viele andere. Selbst die, die gar nicht dabei waren. Und was die alles erzählt haben! Wie heiß es war, wie feucht es war, und so weiter. Alles in einer WhatsApp-Gruppe. Da postete der stolze Vater, die stolze Mutter, das ganze stolze Betreuungsteam vor Ort am laufenden Band Fotos, Videos und was weiß ich noch alles. Zehnter seiner Altersgruppe ist der Felix geworden. Großartig, oder?

Für eine Ehrung beim Jahresempfang allerdings zu schlecht. Das sagte Schiller dort jedenfalls. Widerspruch? Eh zwecklos. Immerhin schmiss der Bürgermeister noch ein paar Videos und Bilder vom siegreichen Buben an die Wand. Das war's dann aber auch. Er wollte sich wahrscheinlich nicht vorwerfen lassen, den eigenen Sohn zu begünstigen: Die Geehrten kriegen ja auch immer ein Geschenk.

Nun stellt sich freilich die Frage, was der Schiller im nächsten Jahr macht, wenn er es noch macht? Der Felix hat nämlich gerade wieder einen Ironman-Triathlon bestritten. In Jesolo. Und diesmal wurde er Erster. Das ist zwar schön für den Vater, aber schlecht für den Bürgermeister. Belobigt er den Sohn diesmal in aller Öffentlichkeit, wirft man ihm womöglich Befangenheit vor. Belobigt er ihn nicht, ist's irgendwie auch unfair.

Zum Glück hat Schiller ja noch eine Weile Zeit, darüber nachzudenken. Er muss ja erst noch einen eigenen Wettkampf, äh Wahlkampf bestreiten. Mal schauen, ob er danach das Siegertreppchen besteigen kann. Ich werd's bestimmt verfolgen. Und wenn's nur in besagter WhatsApp-Gruppe ist.

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