Süddeutsche Zeitung

Nepomuk:Einmal Slalom und zurück

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Nach dreijähriger Schnee- und Corona-Auszeit findet in Tirol dieses Wochenende die 35. Ausgabe der Starnberger Behördenskimeisterschaften statt. Ist so ein Wettbewerb noch zeitgemäß?

Von eurem Nepomuk, Starnberg

Ich will ja gar nicht verschweigen, dass ich natürlich auch ein begnadeter Skifahrer bin. Die Streif in Kitzbühel, die Kandahar-Abfahrt in Garmisch oder die Olympiapiste in Cortina d'Ampezzo - die alle bin ich schon runtergesaust. Ich verkante nicht, mir verreißt es die Ski nicht. Ich bin einfach ein unglaublicher Ästhet auf Brettern - gewesen, muss man ehrlicherweise sagen. Denn auch als Seegeist wird man leider nicht jünger.

Zu den müder werdenden Knochen kommt noch erschwerend dazu, dass es ja gar nicht mehr überall Schnee gibt. Selbst da nicht, wo man ihn eigentlich zuverlässig erwarten würde. Ich muss mir ja schon immer ein wenig an meinen algenüberwucherten Kopf langen, wenn ich mir im Fernsehen Biathlon oder Skispringen anschaue. Ein gespurter weißer Streifen und außen herum alles grün. Tja, Wintersport in Zeiten des Klimawandels. Aber wir bedrohen die Natur jetzt einfach so lange mit Schneekanonen, bis sie freiwillig wieder mitmacht.

Unser Starnberger Landrat Stefan Frey hat kürzlich allerdings noch etwas ganz natürlich gefallenen Schnee gefunden, und zwar im schon erwähnten Cortina d'Ampezzo in den Dolomiten. Da war er mit seinen Brüdern vor ein paar Tagen zum Geheimtraining. Wobei: So richtig geheim war's auch nicht, sogar bei Facebook hat er es gepostet. Nicht ohne Grund: Dieses Wochenende stehen in Achenkirch in Tirol nach dreijähriger Zwangspause - wegen Corona und Schneemangels - schließlich mal wieder Starnberger Behördenskimeisterschaften an, die 35. Runde. Wow, wie sich das anhört: Behördenmeisterschaften, wahnsinnig dynamisch.

Ich erspare euch jetzt die Scherze von wegen Papierwettstapeln und Hängeregisterweitwurf. Es geht bei diesen Meisterschaften tatsächlich traditionell recht sportlich zu. Der fitte Frey tritt da jedenfalls auch wieder an - die Konkurrenz kommt unter anderem aus dem Starnberger Rathaus, dem Finanzamt und der Kreissparkasse. Insgesamt 49 Podestkandidaten messen sich im Riesenslalom. Der Langlauf muss weiter pausieren. Da liegt gerade selbst im Karwendel nicht genug Schnee.

Der Klarheit halber sei gesagt: Würde ich mitfahren, hätte da keiner einer Chance. Der Platz oben auf dem Treppchen wäre fest gebucht. Aber nur mal so eine Idee am Rande, weil's mit dem Schnee ja wirklich schwierig ist: Wir haben doch hier in Starnberg so einen schönen See. Da kann man ja auch Ski fahren drauf. Wasserski natürlich. Warum keine Behördenmeisterschaft im Übers-Wasser-Flitzen? Zumindest die Schneekanonen könnte man sich da wirklich sparen - und das Trainingscamp wäre gleich vor der Haustür.

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