Zefix, jetzt hab’ ich doch schon wieder diese Rosi im Kopf: Damit in dieser schönen Stadt das Laster keine Chance hat. Unter 32-16-8 herrscht Konjunktur die ganze Nacht. Kennt ihr auch. Aber jetzt mal offen und ehrlich: von Starnberg ist da nicht die Rede. Auch wenn das mit „Skandal im Sperrbezirk“ schon irgendwie passen würde. Denkt nur mal an die letzten Tage: Große Aufregung wegen ein paar gesperrter Winterwege, was keiner wirklich lustig fand.

Ohnehin regen sich die Leute ständig über irgendwas auf: Wetter, Politik, Verkehr – neuerdings auch über die Kreissparkasse. Die Bänker hocken nämlich in ihrem Palast aus Stahl, Glas und Beton nicht allein herum, nein, im Haus gibt es auch noch ein paar schöne Geschäfte. Okay, viele ziehen da auch wieder aus – die Kunstgalerie etwa, der Telefonladen oder das „Bioparadies“. Aber so ist das nun mal im Leben. Die einen gehen, andere kommen. Immerhin: Die Kreissparkasse hat einen neuen Mieter! Dort, wo früher das Eiscafé „Il Moro“ war – der Laden hat 2017 dichtgemacht – zieht jetzt eine Paketstation ein. Und ein 24-Stunden-Automatenshop! Bestellt wird am „Orderbob“, bezahlt per Cash oder Karte. Und nach Einscannen des Personalausweises kann’s losgehen.
Im Angebot: Wasser, Cola, Limo, Energy-, Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränke. Schokoriegel, Weingummi, eingeschweißte Sandwiches, getrocknetes Schweinefleisch, Marmorkuchen, Fertigsuppen, Chips, Nüsse und Nachos. Alles, was man eben so braucht. Im Kühlschrank Nr. 9 gibt’s Bier, in Nr. 10 alkoholische Mixgetränke. Nr. 11 bietet „Tabakwaren-Substitute“ aus dem CBD-Shop, Nr. 12 Einweg-E-Zigaretten mit dem freundlichen Hinweis, dass Nikotin „sehr stark abhängig macht“. Und dann ist da noch Nr. 13, ein Spezialschrank: handliche Drei-Liter-Flaschen mit Wodka und Whiskey, Champagner und Prosecco. Und: ein BDSM-Set.

Ein was? Wikipedia klärt auf: „BDSM ist ein Sammelbegriff für bestimmte Arten sexuellen Verhaltens und Erlebens.“ Ah ja! Das 40 Euro teure Set verheißt jedenfalls fesselnde Momente: Maske, Knebel, Halsband, Schnüre, Ketten, Peitsche und Puschel. FDP-Stadträtin und Gewerbereferentin Anke Henniger hat es auch schon entdeckt – und kommentiert: „So seelenlos. Da hätte die Kreissparkasse doch gleich an Beate Uhse vermieten können.“
Vielleicht gar keine so schlechte Idee, der Einzelhandel braucht Belebung. Erinnert ihr euch noch an den Film „Fifty Shades of Grey“? Wochenlang waren in den Baumärkten Kabelbinder und Klebeband ausverkauft. Dagegen ist solch ein BDSM-Set doch wesentlich schicker. Ich war auch schon drauf und dran, mir eines zu kaufen – für anregende Momente unterm Weihnachtsbaum. Aber die Alterskontrolle am „Orderbob“ hat nicht mitgespielt: Ich sei schon zu alt für solche Sachen. Das bedauert euer Nepomuk.

