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Nepomuk:Gullyratten unter sich

Zusammenhalt ist alles, auch im Abwasserverband. Da braucht es mitunter große Metaphern.

Von Euer Nepomuk

Ich weiß nicht, ob Euch der Name Merle was sagt. Merle bedeutet "glänzendes Meer" und Merle ist außerdem die Freundin des "Tatortreinigers" Heiko Schotte, der sich auch Schotty nennt. Beziehungsweise hätte Schotty gern, dass es so kommt. Denn Merle ist die Wucht: Sie hat einen Humor zum Niederknien und Beine bis zum Himmel, und wenn sie einen anlächelt, dann ist es vollends um einen geschehen. Sagt Schotty jedenfalls so ähnlich in dieser wunderbar absurden NDR-Serie, von der es leider keine neuen Folgen mehr gibt, weshalb ich mir abends seit Wochen alle alten auf Netflix anschau'. Merle, könnte man sagen, ist die personifizierte Unerreichbarkeit. So etwas wie keine Arbeit bei vollem Lohnausgleich. Perfektion. Museumsbau ohne Zoff. Die sich selbst säubernde Kloake.

Okay, das war jetzt ein blöder Vergleich, und ich weiß auch gar nicht, wie ich auf Merle komm'. Denn eigentlich sollte es heute um meine lieben alten Freunde Rupert Monn und Norbert Impelmann vom Abwasserverband gehen. Norbert bedeutet "der Strahlende aus dem Norden", und irgendwie stimmt das ja auch im Fall von Impelmann. Er ist noch viel wichtiger gewesen als ein Tatortreiniger, er hat nämlich als eine Art Regenflüsterer gewirkt. Ich erspar' Euch die komplizierten Details. Nur so viel: Ohne Impelmann und Monn wär' die Kläranlage in Starnberg längst schon im Dreck ersoffen, also das wär' alles andere als ein glänzendes Meer geworden. Der 64-jährige Chefreiniger zieht sich übrigens im nächsten Frühjahr wie vor ihm schon Schotty in den Ruhestand zurück. Noch früher geht der Verbandsvorsitzende und Bürgermeister Rupert, der zum Abschied sprach: Wir alle sind eine große Abwasserfamilie. Mehr noch: "Wir sind alles Gullyratten." Recht hat er, er heißt ja nicht umsonst Rupert ("der Ruhmglänzende"). Denn wir sind nicht immer so lustig wie Merle, so schlau wie Schotty, so visionär wie Norbert. Wir sind ganz oft Feldafinger, die nölen und Großes kleinreden. Weshalb einst einer wie Lothar-Günther Buchheim kommen und uns Bescheid stoßen musste. Lothar-Günther bedeutet, ach, ihr wisst es: "Krieger" und "Kampf". Und als der Streit um sein zuerst in Feldafing geplantes Museum heftig tobte, sprach der Meister: Seine Gegner seien Ignoranten, "Brunnenfrösche" und "Gullyratten". Angeblich nannte er die Feldafinger sogar Schilfgürtel-Gullyratten, was wohl noch mal eine Steigerung ist. Dass mein Spezl Rupert jetzt die Beleidigung in den Rang einer Ehrenbezeichnung erhebt, spricht unbedingt für ihn. Ja, so ein Verband ist nicht nachtragend, an dem perlt viel ab, glaubt

© SZ vom 25.04.2020

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