Ich überleg' ja schon lange. Um genau zu sein, seit ich diesen süßen Clownfisch Nemo im Kino gesehen habe. So was von putzig, oder? Und jetzt stellt euch vor, so ein Clownfisch schwanzelt da bei mir herunten im dunklen See umeinander, so fröhlich orange - ich krieg' da gleich so ein warmes Gefühl im Bauch. Ich könnte mit dem um die Wette schwimmen, ihm die ganzen Geschichten erzählen, die ich mich Euch nicht zu erzählen traue, und abends selig erschöpft neben ihm einschlafen. Neben meinem Haustier, meinem Freund.
Doch jetzt schwanke ich, ob vielleicht ein Dackel besser ist. Eigentlich mag ich ja gar keine Hunde, aber mein Vizebürgermeisterfreund, der Sklarek Jürgen aus Gauting, hat sich einen Zwergrauhhaardackel angeschafft - Krümel, neun Wochen alt - und als ich den gesehen habe: verliebt. Diese Augen! Dieser Blick! Und auch nicht so kalt und glitschig wie ein Fisch. Also hab' ich angerufen und gefragt, wie viel Arbeit so ein Dackel macht. Der Jürgen war nicht da, aber seine Frau Angelika und natürlich der Krümel. Den müsse man ständig im Blick haben, hat sie erzählt, weil der viel lieber als sein Spielzeug die Teppichfransen zerkaut und die Holzmöbel. "Schuhe muss man in Sicherheit bringen." Und wie sie so erzählt hat und zwischendrin den Krümel gemahnt hat ("Nein, hörst Du auf!"), da habe ich an den Hindemith vom Gerhard Polt denken müssen. Kennt ihr den? Na ja, die Sklareks, muss man wissen, haben, was Tierbabys betrifft, Nerven wie Stahlseile. Die haben vor 30 Jahren mal zwei Affen in der Wohnung großgezogen, Paviane. Heinzi und Mopsel. "Als Lianen-Ersatz haben sie die Vorhänge genommen", hat die Angelika erzählt. Später kümmerten sie sich dann um Mäuse, eine Ratte und Nachbarskatzen.
Ich hab's dann schon kapiert: Ein Hund ist Königsdisziplin. Rudimentäre zoologische Fähigkeiten schaden nicht. Blick hin oder her. Ich werd' mir meinen Nemo holen - auch wenn der immer gleich schaut, befürchtet
