Süddeutsche Zeitung

Nepomuk:Die Supermädels von Balkonien

Fußballerfolge werden gemeinhin auf Balkonen gefeiert. Wie gut, dass das Gilchinger Rathaus über solch einen Anbau verfügt

Mir langt das jetzt mit dem Winter. Ich hab' Sehnsucht nach Frühling. Nach Wärme. Nach Balkonien. Ja, das wäre fein. Und ich befind' mich mit diesem Wunsch in bester Gesellschaft. Den neuen bayerischen Hallenmeisterinnen im Fußball aus Gilching geht es nämlich genauso. Die wollen jetzt auch auf den Balkon. Nicht auf irgendeinen, sondern auf den des Rathauses.

Verdient haben sie's. Deswegen bin ich auch so froh, dass die Sportlerinnen aus Gilching kommen und nicht woanders her. Man denke einfach mal an die Volleyballer in Herrsching. Egal, welchen Blumentopf die mal wieder gewinnen - auf den Rathausbalkon ihrer Gemeinde kommen sie nie. Denn der Herrschinger Verwaltungsbau hat ja nicht mal einen.

Aber wen wundert das: Der Bürgermeister von Herrsching, der Schiller Christian, ist ja nicht mal in einer Partei. Schon gar nicht in der SPD, bei der Sportlerempfänge auf dem Rathausbalkon quasi zum Programm gehören. Zumindest wollen einem das die SPD-Oberbürgermeister von München seit vielen Jahren weismachen. Bei meinem Freund, dem Gilchinger Bürgermeister und Sozialdemokraten Manfred Walter, ist das angekommen. Wegen solcher Empfänge, so sagte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung sinngemäß, habe sein relativ neues Rathaus ja auch einen Balkon bekommen. Gut, für die männlichen Fußballer aus seiner Gemeinde, die Walter bei der Eröffnung des Neubaus noch dafür im Blick hatte, reichte es noch nicht. Aber dafür kommen jetzt halt die Frauen. Und das, so rufe ich von hier dem Manfred schon mal zu, hat ja durchaus seine Reize. Ich hoff' jetzt nur, dass der Walter dem Schiller bei der nächsten Bürgermeister-Bandprobe nicht zu sehr davon vorschwärmt. Am End' wird der Schiller noch neidisch und will dann auch gleich ein neues Rathaus. Samt Balkon. Und ich möcht' ja nicht wissen, was dann wieder in Herrsching los wäre.

Ein Bürgerbegehren tät's wahrscheinlich geben. Womöglich wieder angezettelt von Schillers einstigen Parteifreunden von der CSU, Gerhard Knülle und Willi Welte. Allein wegen Schiller wären die sicher erst mal dagegen. Wenn der das allerdings mit dem Bau der von Welte längst propagierten Eventarena verbinden tät', dann sicher dafür. Aber was red' ich da. Die Herrschinger haben ja eh keinen Platz. Weder für eine Superarena noch für ein Superrathaus. Und damit auch nicht für einen Balkon.

Immerhin hat Herrsching einen See. Und einen Sprungturm. Da könnt' man ja auch fürs Foto hinauf - wenn man schwindelfrei ist. Aber viele sind das nicht. Ich auch nicht. Deshalb steig' ich lieber auf den Gilchinger Balkon. Mit dem Walter und den Supermädels. Da scheint auch in jedem Fall die Sonne, zumindest in meinem Herzen. Darauf freut sich schon jetzt

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Quelle:
SZ vom 23.02.2019
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