Nepomuk:Biojoghurt und Kuhfladenkultur

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Wenn Bayerns Spitzenpolitikern in den Ferien langweilig ist, besuchen sie einfach das Fünfseenland und machen dann die tollsten Sachen. Das findet der Nepomuk nicht immer gut....

Von Euer Nepomuk

Der Eine gießt sich Milch hinter die Binde und lobt Biojoghurt über den grünen Klee. Der Andere wirft fachmännisch einen Blick auf Hinterlassenschaften von Wiederkäuern und erklärt Kuhfladen zum "heimischen Kulturgut". Der Eine hat einen Auftritt im Bierzelt und lässt sich huldvoll grüßend wie einst der Kini durchs Dorf kutschieren. Ein Anderer schippert pflichtschuldigst über den See und muss sich dann noch auf einen Gabelstapler hocken. Der Eine nimmt einen ganz wichtigen Termin im Raistinger Radom wahr, wo er von einer 23-köpfigen Kapelle mit pompösen Tönen aus "2001 - Odyssee im Weltraum" empfangen wird. Der Andere...

Merkt Ihr was? Unsere Spitzenpolitiker im Freistaat finden gerade einen triftigen Grund, unser schönes, verkehrsgeplagtes Fünfseenland heimzusuchen. Wobei der Auftritt von Finanz- und Heimatminister Albert Füracker am Donnerstag wirklich keinen Aufschub mehr geduldet hätte: Er musste dem elektrischen Nicht-Dampfer "MS Berg" einfach zum ersten Geburtstag gratulieren! Auch wenn die Glückwünsche zum Jubeltag verspätet kamen: Der war nämlich schon am 11. Mai. Weiß ich ganz genau, war schließlich dabei. Und dann wurde meinFreund Albert auch noch genötigt, in der Werft einen Gabelstapler namens Manitu zu besteigen. Wahrscheinlich hatte Manitus Großtante vor drei Monaten Namenstag.

Mein Spezi, der Söder Markus, war seit Mai jetzt sogar schon dreimal da: Erst in Raisting, vor einer Woche bei den Dießener Trachtlern, und jetzt in der Andechser Molkerei. Kein Wunder, dass sich am Ammersee hartnäckig das Gerücht hält, der Ministerpräsident habe längst eine Ufer-Immobilie bei Herrsching bestellt. Verglichen mit dem Chef hat sich sein Vize, der Aiwanger Hubert, mit Auftritten im Fünfseenland bislang eher zurückgehalten. Dafür zeigte er sich am Montag in Pähl aber äußerst spendabel - und das nur, um bajuwarisches "Sinneserbe" zu bewahren. Und dann übrreichte der Hubert einem Landwirt-Kollegen im tosenden Blitzlichtgewitter 130 Euro, die der Bauer als Bußgeld zahlen sollte, weil seine Kühe immer die Hauptstraße beim täglichen Almabtrieb einsauen. Mei, die Aufregung war mindestens ebenso groß wie der Auftrieb und das Verkehrschaos im Dorf.

Und die Grünen? Kürzlich kam meine grüne Freundin, die Schulze Katharina, die wo da Fraktions-Chefin im Landtag ist, nach Herrsching. Ganz ohne Fuhrpark, Blaulicht, Berater-Eskorte, Leibwächter, Presse, Funk und Fernsehen - sondern bescheiden per Bahn mit Neun-Euro-Ticket. Und das aus gutem Grund: Sie heiratete im Kurparkschlösschen ihres ehemaligen Heimatorts, ganz klammheimlich. Wenn das doch auch bei der übrigen Polit-Prominenz Schule machen würde, hofft

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