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Natur:Die Frühlingsboten kehren aus Afrika zurück

Die ersten Schwalben sind da. Weil ihre Bestände im Landkreis schwinden, starten Vogelschützer ein Hilfsprojekt, bei dem sich Bürger beteiligen sollen.

Anders als Störche oder Stare haben sie sich noch nicht auf die Klimaerwärmung eingestellt: Die im Fünfseenland heimischen Schwalbenarten sind noch immer echte Fernreisende - und das selbst in Zeiten der Corona-Krise. Dieser Tage kehren die ersten Rauchschwalben aus ihren Winterquartieren in Zentral- und Südafrika zurück, bald folgen auch die Mehlschwalben. Die Starnberger Kreisgruppe im Landesbund für Vogelschutz (LBV) heißt sie willkommen und will die bedrohten Insektenjäger mit einem speziellen Hilfsprojekt unterstützen, das auf der Mitwirkung der Bürger basiert.

Im Vergleich zu Felsen- und Uferschwalben, die im Landkreis nur in Kiesgruben bei Oberbrunn brüten, sind Mehl- und Rauchschwalben immer noch die häufigsten Vertreter dieser Singvogelfamilie in Bayern. Denn eigentlich sind sie als Kulturfolger bestens an menschliche Gesellschaft angepasst. Lange galten die "Mitbewohner" in Ställen und an Häusern als Glücksbringer. Es hieß, Schwalben bewahrten Gebäude vor Feuer und Blitz und das Vieh im Stall vor Krankheiten. Doch inzwischen fehlt es den einst häufig vorkommenden Vögeln an Insekten als Nahrung und an Lehmpfützen, die als Material zum Nestbau benötigt werden. Und die Toleranz gegenüber ihren Nistplätzen an Gebäuden hat auch im Fünfseenland nachgelassen.

Rauchschwalben brüten als "Bauernschwalben" gerne in Ställen, Scheunen, überdachten Arkaden oder auch Bootshütten. Sie sind im Fünfseenland die häufigsten Vertreter ihrer Familie.

(Foto: Antje Geigenberger/LBV Starnberg)

Paul Wiecha, Leiter des Arbeitskreises Schwalben beim LBV Starnberg, hat sich vorgenommen, die von Schwalben heimgesuchten Hausbesitzer wieder stolz auf die "Untermieter auf Zeit" zu machen. Dabei sind Probleme mit Rauchschwalben - die mit ihrer Brut den Umbau des Herrschinger Bahnhofs verzögerten - nicht so häufig. Öfter gebe es Ärger mit den noch selteneren Mehlschwalben, die ihre Nester an Gebäude kleben: "Sie nutzen vor allem rau verputzte Hauswände unter geschützten Dachvorsprüngen zum Nestbau", sagt Wiecha. "Da müssen wir immer wieder zwischen Hausbesitzern und Schwalben schlichten und einen Kompromiss finden." Die ehrenamtlichen LBV-Experten stünden Haus- und Hofbesitzern gern mit fachkundiger Beratung zur Seite. Kontakte vermittelt Wiecha am Telefon 08151/189200 oder nach E-Mail an paul.wiecha@lbv.de.

Nicht nur Immobilienbesitzer werden gebeten, Nistplätze von Mehl- und Rauchschwalben sowie Mauerseglern im Landkreis Starnberg zu melden: Alle Bürger sind aufgerufen, sich an der Erfassung ihrer Vorkommen zu beteiligen. Seit 2016 hat der Arbeitskreis Schwalben etwa 1100 Nester an 315 Brutorten im Landkreis registriert - "aber das sind noch längst nicht alle", weiß Wiecha.

Die Rauchschwalben, im Volksmund "Bauernschwalben" genannt, sind leicht an den langen Schwanzspießen und ihren braunroten Kehlen und Stirnen zu erkennen. Ihre Nester bauen sie in Ställen, Scheunen oder überdachten Arkadengängen; der Bootsschuppen des Starnberger Ruderclubs zum Beispiel ist ein begehrtes Domizil. Wenn die Temperaturen im Fünfseenland demnächst frühlingshafter werden, sind Rauchschwalben oft in größeren Gruppen zu sehen. Kurz nach ihnen kommen auch die Mehlschwalben zurück, deren blauschwarzes Gefieder im Kontrast zum leuchtend weißen Bürzel und Bauch steht.

Baut gern unter Dächern auf Rauputz: die Mehlschwalbe.

(Foto: Antje Geigenberger/LBV Starnberg)

Beide Arten haben als Langstreckenzieher teilweise mehr als 12 000 Flugkilometer hinter sich. Während immer mehr Störche und Stare am Mittelmeer überwintern oder erst gar nicht mehr fortziehen, habe sich die Klimaerwärmung "bei den Schwalben noch nicht herumgesprochen", sagt Wiecha: "Sie kommen wohl alle aus Afrika." Ihre Heimkehr könne uns daran erinnern, dass wir trotz Coronavirus einen Frühling mit all den Wundern des Lebens um uns haben. "Nutzen Sie die Gelegenheit, bei einem Spaziergang oder von zu Hause aus zu beobachten, wie die Schwalben und damit auch der Frühling Einzug halten", rät Wiecha.

© SZ vom 03.04.2020

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