Nachruf"Der Schotte" ist tot

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Konrad Krabler ist im Alter von 93 Jahren gestorben.
Konrad Krabler ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Georgine Treybal

Konrad Krabler hat Pöcking als Bürgermeister reich gemacht

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Pöcking

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Bajuwarische Gelassenheit und Schlitzohrigkeit, kombiniert mit großem Sachverstand und Lebenserfahrung: Das zeichnete Konrad Krabler in seiner 18-jährigen Amtszeit von 1984 bis 2002 als Bürgermeister von Pöcking aus. Seine Sparsamkeit war legendär. Sie brachte ihm den Spitznamen "der Schotte von Pöcking" ein, der noch heute, 20 Jahre nachdem sich der Altbürgermeister und Ehrenbürger in den Ruhestand verabschiedet hatte, mit Respekt genannt wird. Sein größter Coup war, dass er mit der Leasing-Gesellschaft LHI einen potenten Steuerzahler nach Pöcking holte und damit die Finanzen der Gemeinde weit über seine Amtszeit hinaus sicherte. In seinem frei nach Dagobert Duck's Geldspeicher genannten "Koni-Turm" hatte er so viel Geld angespart, dass er Pöcking nicht nur zur reichsten Gemeinde im Landkreis machte, sondern auch einen soliden finanziellen Grundstein legte, auf den sein Nachfolger Rainer Schnitzler aufbauen konnte. Am vergangenen Freitag ist der 93-Jährige friedlich zuhause gestorben. "Wir trauern um einen Menschen, der viel geleistet und sich um seine Heimatgemeinde außerordentlich verdient gemacht hat", schreibt Bürgermeister Schnitzler über seinen Parteikollegen.

Der gebürtige Dießener Krabler absolvierte seine Ausbildung als Sanitär- und Elektroinstallateur in Starnberg. Schon damals war er sehr sparsam, seine Meisterprüfung 1962 legte er ab, ohne Zuschüsse zu beantragen. Auch das Rathaus hat er bis zu seinem politischen Rückzug 2002 ehrenamtlich geführt und sogar die Feiern zu seinen runden Geburtstagen, zu denen die Gemeinde eingeladen hatte, aus eigener Tasche bezahlt. Er wolle dem Steuerzahler nicht zur Last fallen, war seine Begründung. Krabler heiratete eine Pöckingerin und baute im Dorf einen eigenen Installationsbetrieb auf. Als er 1984 zum Bürgermeister gewählt wurde, galt er als politisch und verwaltungstechnisch unerfahren. Doch das änderte sich schnell. Er führte das Rathaus wie seinen Handwerksbetrieb mit viel Lebenserfahrung, umsichtig und zuverlässig, aber auch mit einer Portion Bauernschläue. Das brachte ihm hohe Anerkennung als Kommunalpolitiker ein weit über die Landkreisgrenzen hinaus. Pragmatisch und mit trockenem Humor handelte Krabler, der für seine Geradlinigkeit bekannt war, nach dem Motto: "Die Rederei bringt nichts, man will Taten sehen." Zwar respektierte er gegensätzliche Meinungen, fand jedoch selbst stets deutliche Worte. Nicht selten unterband die Einwände seiner Gegner in den Gemeinderatssitzungen. "Was Sie sagen wollen, weiß ich schon. Jetzt stimmen wir ab und aus", beendete er gewöhnlich die Debatten im Gremium. Krabler konnte die Bürger befrieden, auch wenn es große Widerstände gab, beispielsweise bei der Umsetzung der Umgehungsstraße oder des Wertstoffhofs an der Weilheimer Straße.

In seiner Amtszeit wurden der Sportpark errichtet, ein neuer Kindergarten gebaut und die Wasserversorgung mit einem neuen Brunnen in Aschering auf neue Füße gestellt. Zudem wurden Sozialwohnungen errichtet und mit vorausschauendem Grunderwerb der Grundstein für neue Projekte, wie das Betreute Wohnen gelegt. Zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2004 wurde dem Altbürgermeister die Ehrenbürgerwürde verliehen. Damals sagte er, er habe ein ereignisreiches Leben gehabt, das von Verzicht geprägt gewesen sei. Man habe damals zurückstecken müssen. Heute werde gefordert und gejammert. Krabler blieb bis zu- letzt politisch interessiert, eingemischt hatte er sich jedoch nach seinem Rückzug nie. "Unsere Gemeinde hat ihm viel zu verdanken", sagt Schnitzler.

© SZ vom 31.01.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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