Der Termin für die Verleihung des Bayerischen Verdienstordens könnte kaum passender sein. An diesem Montag, 14. März, bekommt Juliana Daum die Auszeichnung von Ministerpräsident Markus Söder im Antiquarium der Münchner Residenz verliehen. Genau an dem Tag beginnt die Aktionswoche des Verbraucher-Service Bayern (VSB) zum Thema "Nachhaltig leben und handeln". Nachhaltigkeit ist das Schwerpunktthema des Verbands und dafür hat sich Daum in den vergangenen Jahren eingesetzt. Die Rechtsanwältin ist ehrenamtliche Bundes- und Landesvorsitzende im Verbraucher-Service Bayern, ein "Werk" oder "Tochter" des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB). Schwerpunkte des staatlich geförderten VSB sind Verbraucherrecht, Ernährung, Umwelt, Finanzen, Energie und Hauswirtschaft. Zu Daums Tätigkeiten gehören Vorstandssitzungen, Strategieworkshops, Lobbyarbeit, Austausch mit Politikern, aber auch Repräsentationstermine, um neue Mitglieder zu werben.
Verbot von Mikroplastik
In ihrem Ehrenamt nutzt Daum die Schlagkraft des starken Verbands, um Ziele durchzusetzen. Mit ihrem Team bereitet sie Gesetzesänderungen vor wie das erfolgreiche Verbot von Mikroplastik in Alltagsprodukten. Vor kurzem gab es wieder einen Strategieworkshop. Ein "papierloses Büro" werde angestrebt, eine bessere Erreichbarkeit und die Online-Beratungen, die während Corona eingeführt worden waren, sollen etabliert werden.
Der VSB hat 15 Beratungsstellen in ganz Bayern, 80 hauptamtliche Angestellte und 160 000 Mitglieder, die aus allen gesellschaftlichen und Glaubens-Bereichen stammen, denn trotz der kirchlichen Wurzeln sind der Verband sowie die Info- und Beratungsangebote für alle Menschen offen.
Verbraucherschutz müsse im Einklang mit Umweltschutz stehen, erklärt die Weßlingerin. "Nicht der Verbrauch soll geschützt werden, sondern die Verbraucher und Verbraucherinnen", doch dies sei so etwas wie die Quadratur des Kreises. Dann nennt sie ein Beispiel. Wird ein bestelltes Neugerät mit einem Defekt geliefert, würden Verbraucher häufig auf einen Austausch bestehen, nachhaltiger wäre es, wenn das Gerät repariert werden würde. "Bei jeder Handwerkerleistung gibt es die Möglichkeit der Nachbesserungen", mahnt Daum. So eine Klausel müsse in das Kaufrecht integriert werden.
Auf dem Programm der Weltverbrauchertagswoche stehen Vorträge, Beratungen und Ausstellungen zu den Themen Nachhaltigkeit beim Einkaufen, grüne Geldanlagen und ETFs, Regionalität bei Lebensmitteln, Ressourcen und Klima. Es gibt einen Kochkurs und das Programm für Schulen zum Thema Konsum- und Alltagskompetenzen wird vorgestellt.
Nachhaltigkeit im Blick
Juliana Daum ist in Dresden geboren. Sie hat in München Jura studiert und ist 2004 nach Weßling gezogen. Hier ist das letzte der fünf Kinder der Familie geboren. Gerechtigkeit sei immer schon ihr Thema gewesen. Sie hat bei der Uno in New York gearbeitet und ihr Referendariat bei der deutschen Botschaft in Bangkok absolviert. Zu den Aufgaben gehörte auch der Besuch von inhaftierten deutschen Staatsbürgern. Außerdem hat Daum Gutachten zur Wassersituation in Thailand erstellt. Das hätte sie sich als endgültigen Beruf für sich vorstellen können. Es kam anders. Daum kehrte zurück nach Deutschland, übernahm Mandate im Strafrecht, war Pflichtverteidigerin, Justiziarin bei einem Mobilfunkunternehmen, hatte Betreuungen und Verfahrenspflegschaften.
Vor zwölf Jahren kam die Anfrage des VSB, ob Daum ehrenamtliche Vorsitzende werden wolle. Sie sagte zu, denn ihr gefiel das Miteinander unterschiedlicher Leute, der Austausch, die Zusammenarbeit und Gestaltungsmöglichkeiten, außerdem hätten sie die Inhalte interessiert. "Jede gesellschaftliche Veränderung spiegelt sich in den Themen des VSB wider", weiß Daum. Heute sei Nachhaltigkeit angesichts der derzeitigen Kostensteigerungen von Gas und Benzin sowie der Klimakatastrophe "dringender denn je". "Jeder Einzelne kann durch viele tägliche Handlungen das Klima und die Umwelt schützen", weiß Daum. Allein dadurch, dass die Heizung ein Grad niedriger eingestellt wird, könnten sechs Prozent an Energiekosten eingespart werden. Scheinbar kleine Dinge, wie Leitungswasser statt Mineralwasser oder Second-Hand-Kleider statt "Fast Fashion" könnten ebenfalls in der Summe etwas bewirken.
Das zeigt sich auch an ihrem Haus in Weßling. Ihr Mann, ein Architekt, hat es geplant. Die großen Fenster erwärmen die Wohnung im Winter und im Sommer können die Türen so geöffnet werden, dass das Haus durch den Durchzug gekühlt wird. Jahrelang hatte eine alte Schranktür als Tischplatte gedient und die selbstgebaute Lampe über dem Esstisch besteht aus drei alten Farbkübeln.
2015 hat Daum bereits die Bayerische Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Umwelt verliehen bekommen. Für die kommende Ordensverleihung möchte sich Daum eine schwarze Tasche besorgen. Auf diese wird sie "Das Morgen im Blick" schreiben - Jahresmotto des VSB und Thema der Abschlussveranstaltung am 19. März in Regensburg.
