Süddeutsche Zeitung

Nachfolgen im Rathaus:Der gute Ruf von Seefeld

Trotz Fachkräfte-Mangels gelingt die Besetzung von Führungspositionen nahtlos

Von Christine SEtzwein, Seefeld

Wie kriegen wir das hin? Diese Frage, die sich der Seefelder Bürgermeister Klaus Kögel (CSU) und sein Verwaltungsteam in den vergangenen Monaten gestellt haben, war berechtigt. Zu leer gefegt ist der Arbeitsmarkt, viele Kommunen konkurrieren um die besten Mitarbeitenden. Da braucht es einen besonderen Anreiz, um die richtigen Leute zu bekommen. Offensichtlich hat den das Seefelder Rathaus, denn der Übergang von alten zu neuen Amtsleiterinnen funktioniert nahtlos. Warum zwei junge Frauen nun das Hauptamt und das Standesamt übernehmen und dafür sogar weite Wege in Kauf nehmen? "Seefelds sehr guter Ruf."

Irene Jörn ist Nachfolgerin von Hauptamtsleiterin Gabi Ulrich. Die gelernte Immobilienkauffrau und Betriebswirtin arbeitet seit zwölf Jahren im öffentlichen Dienst. Die 35-Jährige lebt im Landkreis Landsberg und ist Mutter von zwei Töchtern. Etwa 40 Minuten fährt sie künftig zu ihrem neuen Arbeitsplatz. Das macht ihr nichts aus, denn außer dem guten Ruf der Verwaltung locken sie "die Vielfalt und Entwicklungsmöglichkeiten" in Seefeld, sagt sie bei der Vorstellung im Rathaus. Vor allem die Themen Feuerwehr und Schule sind neu für sie.

Nach 20 Jahren im Windacher Rathaus ist auch Brigitte Kelly nach einem Wechsel zumute. Als Verwaltungsfachwirtin hat sie ihren Job von der Pike auf gelernt. Zuletzt war sie Leiterin des Standesamts. "Aber irgendwann sollte man seinen Ausbildungsplatz verlassen", meint die 36-Jährige. Nun übernimmt sie das Standesamt in Seefeld, da ihre Vorgängerin Petra Crepaz zu ihrem Mann nach Südtirol gezogen ist. Am Standesamt gefällt Kelly die Themenpalette, gehören dazu doch auch die Wahlen und der Datenschutz. Und sie schätzt den direkten Kontakt zu den Bürgern.

Der dritte Wechsel findet an der Spitze des Bauamts statt. Dort folgt Ralf-Peter Beutel auf Imke Friedrich, die in Rente geht. Der 55-jährige gelernte Bauingenieur ist kein Unbekannter in Seefeld: Seit fünf Jahren arbeitet er im Bauamt als Sachgebietsleiter Tiefbau, kennt jede Straße in der Gemeinde und auch das, was darunter liegt. Als Bauamtsleiter erweitert sich sein Aufgabenspektrum. Am meisten freut er sich, dass er den Prozess der Ortsentwicklung mit begleiten kann. Die Beseitigung des Niederschlagswassers wird ein großes Thema werden, sagt er. Und da ist noch etwas, was ihn ganz besonders reizen würde: der Bau eines neuen Rathauses, der seiner Vorgängerin nicht gelungen ist.

Das bedauert Imke Friedrich heute noch. "Da bin ich schon ein bisschen traurig", sagt sie. Die ganze Planung war umsonst, weil ein Neubau neben dem Krankenhaus Seefeld per Bürgerentscheid abgelehnt wurde. Zehn Jahre lang hat sie das Bauamt als Quereinsteigerin geleitet, von Beruf ist sie Architektin. "Es waren zehn spannende Jahre mit schönen und schwierigen Bauvorhaben in einem tollen Team", erinnert sie sich. Eines der aufreibendsten Projekte war die Sanierung der Pizzeria La Fattoria in Drößling. Das Gebäude, das der Gemeinde gehört, ist auch Heimat des Schützenvereins "SG Bavaria Drößling" und war auf einer Müllhalde gebaut. Fünf Jahre lang zogen sich die Arbeiten an dem maroden Gebäude hin. Die Kosten stiegen auf mehr als eine Million Euro. Aber das ist vorbei. Jetzt freut sich Imke Friedrich auf ihren Ruhestand, "dass ich jetzt Zeit für alles habe". Aber sie lässt noch nicht ganz los. Die Planungen für einen Bolzplatz und die Gestaltung des "Höhenrückens" in Hechendorf wird sie noch begleiten.

Gabi Ulrich hat vor 33 Jahren angefangen; da hieß die Bürgermeisterin noch Ingeborg Bäss und war von der FDP. Jetzt geht sie in Pension. "Ich habe keinen Tag bereut", sagt sie. Zunächst war sie Kämmerin ("Ich bin ein Zahlentyp"), bevor sie Hauptamtsleiterin wurde. Das Aufgabengebiet sei abwechslungsreich gewesen, ob es die Betreuung der Kitas und Schulen war, der Feuerwehren, des Personals oder der Personennahverkehr. Der Umgang der Kollegen, ein "sehr angenehmer Haufen", habe ihr sehr gut gefallen, Fehler seien einem nie übel genommen worden.

Das bestätigt Geschäftsleiter Fritz Cording: "Wir schauen auf uns, greifen zu, wenn es irgendwo eng wird." Das werden auch die neuen Kolleginnen bald schätzen. An der Antwort auf die Frage, wie die Neubesetzung von Stellen zu schaffen sei, lässt Bürgermeister Kögel jedenfalls keinen Zweifel: "Das haben wir gut hingekriegt."

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Quelle:
SZ vom 14.12.2020
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