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Nach der Kommunalwahl:Seefelder Traumjob

Vom Manager in der Wirtschaft zum Manager einer Gemeinde: Der neue Bürgermeister von Seefeld, Klaus Kögel, ist seit 100 Tagen im Amt.

(Foto: Arlet Ulfers)

Bürgermeister Klaus Kögel ist nach 100 Tagen im Amt von seiner Aufgabe begeistert. Er will die Kommunikation mit den Bürgern verbessern und ein neues Rathaus bauen.

Von Christine Setzwein

Die Möblierung im Büro des neuen Chefs ist anders. Der Schreibtisch steht nun rechts von der Tür, der Konferenztisch links. Aus praktischen Gründen, sagt Klaus Kögel: Vormittags blendet ihn die Sonne am Computer nicht mehr, am Konferenztisch ist mehr Platz, und er hat direkten Sichtkontakt mit seinem Vorzimmer. Das Umräumen des Büros war einfach, der Start im Gemeinderat holprig. Aber Klaus Kögel, der neue CSU-Bürgermeister von Seefeld, ist begeistert von seiner Aufgabe, die er vor bald 100 Tagen übernommen hat. So abwechslungsreich, so bereichernd, "ein extrem großer Blumenstrauß", sagt der 62-Jährige.

In der Zwischenzeit hat der Hechendorfer weitere Ämter übernommen. Er wurde zum stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzenden der Wasser- und Abwasserbetriebe AWA-Ammersee und zum Vorsitzenden des Immobilen-Verbands der Klinik Seefeld gewählt. Die lange Arbeitszeit stört ihn nicht. Als ehemaligem Manager "machen mir 50- oder 60-Stunden-Wochen nichts aus", sagt er. Die Neider, die es überall in der freien Wirtschaft gebe, vermisst er nicht. Heute freut er sich über die gute Zusammenarbeit mit Nachbarbürgermeistern und Landrat. "Man hilft sich gegenseitig." Auch das Team in der Seefelder Verwaltung passt ihm. Er sei kein strenger Chef, sagt er von sich, seine Tür stehe immer offen, und er komme mit allen gut aus. Was nicht heiße, dass nicht manches verbesserungswürdig sei. Die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern zum Beispiel. "Wir müssen den Bürgern erklären, warum etwas so ist, wie es ist", sagt Kögel. Das sei in der Vergangenheit vernachlässigt worden, meint er. Er ist überzeugt davon, dass Seefeld längst ein neues Rathaus hätte, hätten damals Befürworter und Gegner mehr miteinander geredet. Das soll sich ändern. "Wir brauchen ein neues Rathaus, am besten in der Ortsmitte", sagt er.

Am 11. September gehen die Seefelder Gemeinderäte in Klausur. Dann wird es auch um einen Rathausneubau gehen, um die Zukunft des Krankenhauses, um Ortsentwicklung, Verkehrskonzept, Gewerbe, bezahlbaren Wohnraum und einen Sportplatz für Hechendorf. Und schließlich möchte Kögel das Miteinander im Gemeinderat stärken, nachdem sich in der ersten Sitzung im Mai zwei Blöcke aus CSU, Grünen und SPD sowie FWG, BVS und FDP gebildet hatten.

Womit sich der neue Bürgermeister noch nicht recht anfreunden kann, sind die "verwaltungsrechtlichen Handschellen". Die Langatmigkeit von Behörden, die Bestimmungen und Verordnungen, an denen sich eine Verwaltung orientieren muss, "machen's manchmal schwer".

In einer Kolumne auf der Homepage der Gemeinde nimmt er jeden Monat Stellung zu aktuellen Themen. Sei es die Corona-Pandemie, bei der er vor allzu großer Sorglosigkeit warnt, sei es die Unterstützung Hilfsbedürftiger oder das achtlose Wegwerfen von Müll und Zigarettenkippen, immer appelliert Kögel an die "Grundtugenden" Disziplin, Rücksicht, Hilfsbereitschaft, Vertrauen und Vernunft der Bürger. Er ist überzeugt: "Der Bürgermeister hat eine Vorbildfunktion." Darum postet er auch schon mal Fotos von sich beim Heckenschneiden und Blutspenden.

© SZ vom 06.08.2020

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