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Nach Aus des Bürgerbegehrens:B2-Tunnel in Starnberg: Spatenstich schon im Juli

Das Staatliche Bauamt kauft die nötigen Grundstücke und plant auf Hochtouren. Die Röhre soll neueste Sicherheitsanforderungen erfüllen. Der Bau wird Jahre dauern.

Der oberste Tunnel-Planer beantwortet alle Fragen detailliert und nüchtern, aber bei einer Behauptung der Gegner kann sich Christian Probst vom Staatlichen Bauamt Weilheim das Lachen nicht verkneifen. "Der Tunnel verstößt gegen europäische Sicherheitsanforderungen", hatte ein Anwalt der Tunnel-Gegner vor dem Verwaltungsgericht am Dienstag unwidersprochen gesagt. Probst kontert energisch: "Der Tunnel entspricht nicht nur der europäischen Sicherheitsnorm, sondern auch der deutschen - und die ist eine Stufe schärfer." Die Röhre werde nicht nur die aktuellen Vorschriften einhalten, sondern berücksichtigt auch bereits die Neuauflage der "Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln", die bislang nur im Entwurf vorliegen und die etwa Beleuchtung, Belüftung, Brandschutz und Fluchtwege vorgeben.

Mit dem komplexen Projekt beschäftigen sich derzeit bis zu zehn teils eingestellte Mitarbeiter im Bauamt in einer neuen Abteilung, für die sogar eigene Räume angemietet wurden. Im Februar gab es erste Gespräche mit Feuerwehr und Rettungsdiensten. Das Löschwasserbecken auf dem Schlossberg soll noch im März fertig werden. Am 18. Mai schreibt das Amt die Straßenarbeiten auf der nördlichen Zulaufstrecke europaweit aus. Ende Juni wird es eine Informationsveranstaltung in der Schlossberghalle geben. Ende Juli soll der Baubeginn mit feierlichem Spatenstich begangen werden.

Die meisten der Tunnel-Mitarbeiter tüfteln bereits an der Ausschreibungsplanung, die schon viele Vorgaben für die Röhre enthält. Das Konsortium, das den Zuschlag bekommt, wird die Detailplanung übernehmen. "Das ist bei allen Ingenieurbauwerken wie etwa auch Brücken üblich", sagt der für Starnberg zuständige Abteilungsleiter Probst. 2021 sollen dann die eigentlichen Arbeiten am Tunnel beginnen, wobei sich der Bohrer von Süden her in nur neun Monaten zwei Kilometer durch den Starnberger Untergrund frisst. Von 2026 an soll der Bau 18 000 Autos täglich aufnehmen. Der Bund stellt 196 Millionen Euro bereit, die Stadt steuert vier Millionen bei.

Parallel kauft das Bauamt bereits die nötigen Grundstücke. Rund 180 Eigentümer sind betroffen, die meisten unterirdisch - teils in 30 Metern Tiefe. Sie bekommen eine Entschädigung. Oberirdisch benötigt das Bauamt meist nur schmale Streifen an den Straßenrändern, um die Fahrbahn insgesamt zu verbreitern. Das laufe in den meisten Fällen bislang unproblematisch, sagt Probst. In einem Fall sei jedoch eine sogenannte Besitzeinweisung eingeleitet worden, die in einer Enteignung enden kann - auch in diesem Fall gegen eine Entschädigung.

© SZ vom 09.03.2018

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