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Nach 33 Jahren:Ziel erreicht - Verein am Ende

Weßlinger Initiative zur Verkehrsberuhigung löst sich auf

Von Patrizia Steipe, Weßling

Personalnöte zwingen den Verein, der sich um eine Verkehrsberuhigung in Weßling bemüht hat, zur Aufgabe. In der letzten Hauptversammlung, die wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie via Internet stattfand, haben die Mitglieder die Auflösung beschlossen. "Wir haben keine Nachfolger für den Vorstand gefunden", erklärte der bisherige Vorsitzende Roland von Rebay.

Damit geht nach 33 Jahren die Geschichte eines Vereins Ende, den eine Initiative von Gegnern der geplanten Autobahnauffahrt Wörthsee gegründet hatte. Der Zweck war "die Durchführung und Unterstützung von allen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung im Großraum Weßling, insbesondere die Beruhigung des Kfz-Verkehrs auf der Weßlinger Hauptstraße." Neben der Verkehrsberuhigung war ein Schwerpunkt die Durchsetzung der Umgehungsstraße.

"Es begann ein langer Weg durch die Instanzen mit schrecklichen Durststrecken", heißt es im Bericht von Schriftführer Ludwig Ostermayer. In den drei Jahrzehnten nach der Gründung wechselten sich Verkehrsuntersuchungen, Verträglichkeitsgutachten, Vorplanungen, Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren ab; parallel dazu versuchten Vereinsmitglieder "durch geduldiges Nachfragen und Argumentieren den Gang der Dinge zu beschleunigen", so Ostermayer.

Zu seinen besten Zeiten hatte der Verein 160 Mitglieder. Seit dem Bau der Umgehungsstraße im Jahr 2016, womit eine Hauptforderung verwirklicht war, seien das Engagement und die Aktivitäten des Vereins jedoch "deutlich zurückgegangen", berichtet der letzte Vorsitzende Rebay. Dafür hätte er sich gemeinsam mit Vereinsmitglied Theo Kriebel im gemeindlichen Ausschuss "mobil & lebenswert" engagiert, denn "die Ziele haben sich komplett überschnitten".

Es ging um Fußgängerüberwege, neue Ampeln, Fahrradstraßen, Schulwege und um die Rückstufung der Hauptstraße von einer Staatsstraße zur Gemeindestraße. Gerne hätte Rebay auch einen Bürgerbus organisiert. "Das geht aber nicht ohne ehrenamtliche Beteiligung und Spenden", berichtet Rebay.

Es sei aber immer schwieriger geworden, Vorstandsposten zu besetzen, die derzeitige Führung wollte nicht mehr weitermachen. Da in den vergangenen beiden Jahren im Verein nicht mehr viel passiert sei, wurde sogar auf die Mitgliedsbeiträge verzichtet. Im vergangenen Sommer wurde Liste der Mitglieder bereinigt; 82 blieben noch übrig, davon hatten 55 ihre Stimme für die Online-Versammlung abgegeben. Von denen wollte keiner ein Vorstandsamt übernehmen, genauso wenig wie die fünf bei der Versammlung persönlich anwesenden Mitglieder. 48 davon hatten zuvor schriftlich für die Auflösung votiert.

Den Kassenbestand von 4318 Euro wird Kassier Hannes Rhomberg abzüglich der Notar- und Anwaltskosten der Gemeinde übertragen mit der Maßgabe, ihn für verkehrsberuhigende Maßnahmen einzusetzen.

© SZ vom 05.01.2021
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