bedeckt München 20°
vgwortpixel

Musik:Sinnenfreudiges Tschechien

Elizabeth Hopkins am Klavier und Boris Kucharsky an der Violine in der Aula des Gilchinger Gymnasiums.

(Foto: Arlet Ulfers)

Pianistin Elizabeth Hopkins erläutert die Musik des Nachbarlandes zusammen mit Geige und Cello

Die Konzertreihe "connexions" der schottischen Pianistin Elizabeth Hopkins ist schon sehr aufschlussreich. Gemeint sind damit die von Hopkins punktgenau erläuterten Verbindungen zwischen Komponisten und Werken - in der Natur der Sache liegend auch zwischen Klavier und anderen Instrumenten. Vor vollen Rängen ging es diesmal in der Aula des Gilchinger Gymnasiums um Musik aus dem Nachbarland Tschechien und Verbindungen vom Klavier (Elizabeth Hopkins) zur Violine (Boris Kucharsky) und zum Violoncello (Thomas Carroll).

Bei den tschechischen Meistern des 19. Jahrhunderts stößt man zwangsläufig auf Verbindungen zu anderen Komponisten im Ausland, konnten sie doch auf wenig Eigenes zurückgreifen, als es darum ging, eine nationale Schule zu begründen. Von Mozart über Mendelssohn, Brahms und Schumann bis hin zu Wagner gaben die Vorbilder aber genug Material an die Hand, Möglichkeiten zu finden, ausgehend von der eigenen Volksmusik daran anzuknüpfen. Wie der Abend auch zeigte, entstand dabei ein sinnenfreudiger, ganz und gar tschechischer Stil, der mit seinem erzählerischen Ansatz überaus reich an Ausdrucksformen ist. Wie schon in Bedřich Smetanas "Aus der Heimat" für Violine und Klavier eingeführt, ging es hier trotz kammermusikalischer Feinheit immer wieder auch in satte, orchestrale Register, die eine weite Spanne der Gestaltungsmöglichkeiten aufzogen. Und diesen Raum nutzten diese Komponisten mit unzähligen Abstufungen und Nuancen, ihren Vorbildern gemäß in einer kontrastreichen Abfolge. Die Kunst der Komponisten wie im Konzert der Interpreten dabei: Das weite Auf und Ab unter einen stimmigen Spannungsbogen zu bekommen. In Josef Suks konsistenter und stimmungsvoller "Elegie" bekam das Trio eine dichte Anleitung des Komponisten an die Hand, zumal mit einem dominierenden, vor allem in Kucharskys Violine betörend schönen melodischen Leitfaden versehen. Carroll und Hopkins mussten im "Märchen" von Leoš Janáček schon viel mehr Fingerspitzengefühl beweisen, um die Liebesbeziehung zwischen Prinz Iwan in der Cellostimme und Prinzessin Marja im Klavierpart in adäquate Stimmungen zu übersetzen. Der Nuancenreichtum, den das Duo hier in unzähligen spieltechnischen Varianten entwickelte, hätte nicht üppiger ausfallen können.

So reich konzipierte Antonín Dvořák auch sein Trio f-Moll op. 65 mit dessen Connexions zu Brahms unter weitgehender Abwendung von der slawischen Grundierung. Hier hatte das Trio auch keine konkreten Bilder zu kreieren, fokussierte daher die Formung der Spannungen und Energien sowie die nuancierte plastische Modellierung. Der typisch tschechische Farbenreichtum litt nicht darunter. Die Begeisterung über die wunderbar ausgesungenen Melodien und die überaus ansprechende Modellierung machte sich im langen Schlussapplaus deutlich bemerkbar.