Bootshaus am Starnberger See Das neue Herzstück des Münchner Yacht-Clubs

Der Segelverein präsentiert erstmals das Haus mit Raum für Regattaleitung und Kojenlager. Der fast 100 Jahre alte Vorgängerbau war den Flammen zum Opfer gefallen.

Von Christian Deussing

Es ist ein Herzstück des Münchner Yacht-Clubs (MYC) in Starnberg: das neue Bootshaus, das am 28. April bei den Starnberger Segeltagen feierlich eingeweiht werden wird. Das zweistöckige Gebäude am Ufer des Starnberger Sees ist im traditionellen Stil des denkmalgeschützten Bootshaus erbaut worden, das am 6. November 2015 aus bis heute noch ungeklärten Gründen komplett abgebrannt war. Zerstört wurden damals etliche Boote, 50 Masten und die Jugendschlafräume. Verletzt wurde niemand bei dem Inferno, doch es entstand ein Schaden von zwei Millionen Euro. Die Katastrophe war ein Schock für den Club - der sich aber in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung bald danach entschied, an gleicher Stelle wieder ein Bootshaus zu errichten. Dafür waren die Mitglieder auch bereit, jeweils 500 Euro zu zahlen.

Der Spatenstich für das Bootshaus-Projekt wurde Ende November 2017 gesetzt.

(Foto: Nila Thiel)

Präsident Niko Stoll ist glücklich, dass das Gebäude, dessen Bau auch mit Hilfe von Spenden finanziert wird, zur neuen Saison fertiggestellt wird. Das Haus sei die "Keimzelle und der Geist" dieses 111 Jahre alten Segelvereins, sagte er am Freitag bei einem Rundgang durch die Unterkunft am Hafen. Im ersten Stock befindet sich ein Multifunktionsraum, darin können auch Segelseminare für die Jugend abgehalten und Schiedsgerichtsverhandlungen geführt werden. Geeignet sei der große Raum unter anderem auch für die Regattaleitung, sagt Stoll.

Das alte, denkmalgeschützte Gebäude war abgebrannt.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Gebäude sei qualitativ wesentlich hochwertiger, da Brandschutz, Statik, Schallschutz und Isolierung den heutigen Bauvorschriften entsprechen, erläutert Stoll. So verfüge das Haus, in dem insgesamt 20 Jugendliche im Kojenlager übernachten können, über verbesserte Fluchtwege - nun auch über den Balkon und eine Außentreppe. Es gebe vier "Bypasstüren", die die Sicherheit erhöhten, betont Architekt Stefan Larass, der schon vor elf Jahren das Clubcasino saniert und erweitert hatte.

Präsident Niko Stoll (rechts), sein Vize Helmut-Peter Müller (links) und Architekt Stefan Larass freuen sich auf die Eröffnung des neuen Bootshauses.

(Foto: Nila Thiel)

Der Spatenstich für das Bootshaus-Projekt - das laut Stoll etwa 1,2 Millionen Euro kostet und an dem sich auch die Versicherung beteiligt - wurde Ende November 2017 gesetzt. Der Weg dorthin war jedoch steinig: Zunächst musste die Brandruine beseitigt und 1350 Tonnen wässriger Schlamm auf eine Deponie nach Iffeldorf geschafft werden. Zudem gab es Probleme, die Baugenehmigung des alten Bootshauses von 1919 ausfindig zu machen, die den Bestandsschutz ausweist und den Münchner Yacht-Club dazu berechtigte, wieder ein Bootshaus dort zu bauen. Über Recherchen im Staatsarchiv, alte Fotos und weitere Belege konnte der Verein schließlich den Nachweis führen. Der Club-Vorstand dankt überdies der Schlösser- und Seenverwaltung für die Unterstützung bei dem Bauprojekt. Der Präsident ist auch froh, dass das Landratsamt Starnberg mitgespielt hat. Allerdings musste der Club 14 Monate auf die Baugenehmigung warten - wohl auch deshalb, weil Kreisbehörde, Stadt und Seenverwaltung nach der Brandkatastrophe die Neubaupläne sehr penibel geprüft hatten. Denn erst kurz vor dem verheerenden Feuer war die Elektronik und der Brandschutz in dem historischen Bootshaus komplett renoviert und auf den neuesten Stand gebracht worden. Das alte Holz sei so extrem schnell verbrannt, als hätte man "zehn Streichholzschachteln auf einmal angezündet", meint Stoll. Die 120 Feuerwehrleute hatten seinerzeit keine Chance, das Holzhaus zu retten. Bei dem Einsatz an dem frühen Novemberabend 2015 war ein Feuerwehrmann leicht verletzt worden.

Nun schaut der Münchner Yacht-Club mit seinen 650 Mitgliedern erwartungsvoll nach vorn. Neuen Rückenwind erhofft sich der Verein auch vom neuen Pächter des Casinos, Ante Ledic: Der Gastronom darf sein Lokal auch für Gäste öffnen, die nicht Mitglied im Verein sind.