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Prozess:Tutzinger Polizist soll Jugendliche auch auf Segelboot missbraucht haben

Segelkurs auf dem Starnberger See, 2018

Auch in einem Segelboot auf dem Starnberger See soll sich der Tutzinger an einem Jugendlichen vergangen haben.

(Foto: Georgine Treybal)

Der Hauptkommissar soll sich auf freundschaftlich-väterliche Weise das Vertrauen seiner Opfer erschlichen haben. Nun beginnt der Prozess vor dem Landgericht.

Vor genau einem Jahr ist der Polizist in seiner Tutzinger Wohnung festgenommen worden. Der dringende Tatverdacht: Der Mann soll Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Seitdem befindet sich der 59-jährige Familienvater in Untersuchungshaft. Am kommenden Mittwoch beginnt gegen ihn der Prozess vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts München II. Geplant seien drei Verhandlungstage mit elf Zeugen, so eine Gerichtssprecherin.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten in zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung sowie den Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften vor. Der Polizeihauptkommissar, der inzwischen suspendiert ist, soll sich als Respektsperson auf freundschaftlich-väterliche Weise das Vertrauen seiner jungen Opfer erschlichen haben. Den Ermittlungen zufolge soll er seine Position ausgenutzt haben, um sich den männlichen Jugendlichen unter einem Vorwand zu nähern und sich an ihnen zu vergehen. Sie seien ihm schutzlos ausgeliefert gewesen - unter anderem im Schulungsraum der Tutzinger Feuerwehr, in einem Segelboot auf dem Starnberger See sowie in der Wohnung eines Musikschülers und in einem Ferienhaus.

Der Angeklagte soll weitgehend die Vorwürfe eingeräumt haben. Er gehörte fast 20 Jahre der Starnberger Polizeiwache an, war langjähriger Vorsitzender des Tutzinger Feuerwehrvereins und in der Gemeinde in weiteren Vereinen aktiv. Zudem fungierte er als Reisebetreuer beim Kreisjugendring und galt als vertrauenswürdig und sehr engagiert.

In der Wohnung des Mannes entdeckten die Kripofahnder Bilder und Videos mit Kinder- und Jugendpornos, die auf Tablets, einem Mobiltelefon, einem Computer und auf anderen Datenträgern gespeichert waren. Der Tutzinger soll einem Schülerpraktikanten der Starnberger Polizeidienststelle pornografische Bilder und -filme auf das Handy gesendet haben - und das auch noch längere Zeit nach dem Praktikum auf der Wache. Die Ermittlungen gegen den Polizisten hatte die Strafanzeige eines Mannes ausgelöst, der den Tutzinger wegen eines sexuellen Übergriffs vor knapp 20 Jahren während seiner Zeit bei der Jugendfeuerwehr bezichtigte und deswegen eine Augsburger Opferanwältin eingeschaltet hatte.

Nach der Verhaftung des Beamten und Vorstands der Feuerwehr stand die Gemeinde Tutzing unter Schock. Experten informierten Eltern, Jugendliche und Vereine über Prävention, um sexuellen Missbrauch zu verhindern. Erschüttert zeigte sich auch Feuerwehrkommandant Markus Kuisl, der den Angeklagten 42 Jahre kannte. Er habe nie etwas bemerkt und "alles nicht glauben können", erklärte Kuisl, der zum Prozess als Zeuge geladen ist. Auch Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek war nichts aufgefallen: Der Beamte sei sehr zuverlässig gewesen, sagte er.

© SZ vom 14.03.2020

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