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MVV:365-Euro-Ticket steht auf der Kippe

  • Die Coronakrise belastet auch die kommunalen Kassen schwer. Ein CSU-Landrat schlägt deshalb vor, den Start des 365-Euro-Tickets zu verschieben.
  • Der neue Tarif sollte ab August gelten. Wenn ein Landkreis nicht zustimmt, fällt die Einführung des Tickets aus.
  • Das Modell sollte Schüler und Auszubildende ermöglichen, die MVV im Großraum München unabhängig von dem Standort ihrer Lehrstelle oder ihre Schule zu nutzen.

Auf dem Weg zu einem besonders günstigen MVV-Tarif für Schüler und Auszubildende tritt der Landkreis Starnberg auf die Bremse. Landrat Karl Roth (CSU) würde das 365-Euro-Ticket gerne erst später als geplant einführen, weil er zu große finanzielle Belastungen befürchtet in einer Zeit, in der in Folge der Coronakrise mit starken wirtschaftlichen Einbrüchen und sinkenden Einnahmen für die kommunalen Kassen zu rechnen ist. "Ich sehe das sehr kritisch", sagte er am Dienstag im Kreistag. "Man sollte das einfach noch mal schieben. Vielleicht steigt man dann nächstes Jahr ein." Mit diesem Vorschlag fand er Zustimmung bei fast allen Fraktionen.

Das könnte weitreichende Folgen haben, denn Roth weiß: "Wenn ein Landkreis aussteigt, ist das Ding gestorben." Eigentlich ist der Start im August geplant. Wenn sich Starnberg aber nicht beteiligt, gibt es die Fahrkarte, die im ganzen MVV-Gebiet gültig sein soll, vorerst nicht. Eine Entscheidung hat der Kreistag noch nicht getroffen. Der Beschluss wurde auf die nächstmögliche Sitzung vertagt; diese vage Formulierung wurde bewusst gewählt, weil unklar ist, welche Art von Versammlungen weiterhin möglich sind. Nächster Termin für den Kreistag wäre Ende April. Bis dahin will sich Landrat Roth erkundigen, wie mittlerweile die Einschätzung beim Freistaat und den anderen Verbundpartnern in der jetzigen Lage ist.

Die Einführung des verbundweiten 365-Euro-Tickets hatte die Gesellschafterversammlung des MVV im Dezember beschlossen. Man rechnet dadurch mit 30 Millionen Euro weniger Einnahmen. Allein für den Landkreis Starnberg sind die zusätzlichen Kosten heuer mit 215 000 Euro, in den Folgejahren mit mindestens einer halben Million Euro angegeben. Profitieren könnten von dem Ticket laut MVV etwa 360 000 Jugendliche, die rein rechnerisch für einen Euro pro Tag Busse und Bahnen im Großraum München benutzen könnten, unabhängig davon, wo sich ihre Lehrstelle oder ihre Schule befindet. Wie MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch am Dienstag mitteilen ließ, fehlten zuletzt nur noch die Zustimmungen der Landkreise Starnberg und Fürstenfeldbruck.

Bei den Starnberger Kreisräten findet Roths Vorschlag einer Verschiebung breite Zustimmung. So erklärte der CSU-Kreisrat und Bürgermeistersprecher Rupert Monn aus Berg, er würde diesen Vorschlag zu hundert Prozent unterstützen Denn: "Wir können uns das gar nicht leisten, heute zuzustimmen." Landrat Roth wies darauf hin, dass der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs den Landkreis jetzt schon etwa 600 000 Euro pro Jahr koste. Weitere Verluste kämen hinzu in einer Höhe, die sich jetzt noch gar nicht abschätzen ließen. Nur ein Beispiel: Um nicht mit Bargeld hantieren zu müssen, verkaufen die Busfahrer derzeit keine Tickets mehr. Wer nicht ohnehin schon eine Zeitkarte hat, fährt daher gratis.

Vor allem die Grünen äußerten Bedenken, das Ticket jetzt schon aufzugeben. "Ich fände es fatal, wenn es am Landkreis Starnberg scheitert", mahnte die Fraktionsvorsitzende Martina Neubauer. Sie warnte vor einem "Schnellschuss" und warb dafür, nach Gesprächen mit den anderen Landkreisen im Verbund und dem Freistaat erneut zu beraten. Auch Britta Hundesrügge (FDP) warb im Kreistag dafür, dass man das Thema nicht aus den Augen verliert.

© SZ vom 01.04.2020/wean
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