Die Badegäste und die Betreiber vom Ausflugskiosk vom „Steg 1“ kämpfen weiter darum, dass die drei noch verbliebenen Stege im Naherholungsgebiet „Paradies“ bei Possenhofen nicht abgerissen werden. Seit dem 1. Mai sind diese offenkundig maroden Zugänge zum See aus Sicherheitsgründen gesperrt – veranlasst durch die Landeshauptstadt München als Eigentümerin des Geländes am Starnberger See. Davon ist auch der Kneippverein Starnberg & Umgebung mit seinen meist älteren 130 Mitgliedern betroffen: Er hat in einer Online-Petition zum Erhalt der Badestege bereits – Stand Donnerstagnachmittag – 2728 Protestunterschriften gesammelt (mit zusätzlich 500 Unterschreibern auf weiteren Listen). Sie sollen jetzt als Zwischenergebnis dem neuen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) zugeleitet werden.
Der Vorsitzende des Kneippvereins, Burkhardt Schütz, betont, wie wichtig vor allem für ältere Menschen die Stege mit ihren seitlichen Treppen als sicherer Zugang ins Wasser seien. In der Petition wird bezweifelt, dass die Schäden so umfangreich sind, dass die Stege abgerissen werden müssen. Es wird daher gefordert, den geplanten Abbau sofort zu stoppen und umgehend Maßnahmen zu ergreifen, die Schäden an den Holzstegen zu beseitigen. Schütz wundert sich, dass das von der Landeshauptstadt in Auftrag gegebene Gutachten erst Ende April zum Beginn der Badesaison vorgelegen hat. Da hätte man sicher viel eher handeln können, zumal schon seit Längerem Schäden an Treppen festgestellt und der Steg 4 bereits im vorigen Jahr abgerissen worden seien, findet er.
Doch der Initiator der Petition ist nach der Schocknachricht mittlerweile zuversichtlicher. Und dies nicht nur wegen der großen Unterstützung aus der Bevölkerung. Denn die Fachfirma Lynberg aus München habe sich in der Sache bei ihm gemeldet und angeboten, den Zustand der Stege zu überprüfen und sie kostenlos zu reparieren. Die Firma, Spezialist für module Holzbauweise, befinde sich mit dem Münchner Baureferat wohl schon darüber im Austausch, sagt Schütz, der dem Oberbürgermeister Krause wegen der Steg-Problematik einen persönlichen Brief geschrieben hat. Der Vorsitzende des Kneippvereins hofft, zu einem baldigen Konsens zu finden, denn man sei einen Schritt weiter. Sollte aber die Landeshauptstadt das Angebot der Firma ablehnen, „müssen wir die Sachlage neu bewerten“, so Schütz.

Eine Sprecherin des Baureferats hatte mitgeteilt, dass es laut Gutachten in den Stützhölzern zersetzende Prozesse gebe, die von außen nicht ohne Weiteres erkennbar seien. Es habe sich nach eingehender Untersuchung ein „noch umfangreicheres Schadensbild“ ergeben, sodass die Holzkonstruktionen am See nicht mehr gefahrlos betreten werden könnten, so die Sprecherin. Nachdem deshalb Steg 4 abgebaut werden musste, sei im Herbst 2025 eine fachtechnische Beurteilung der Stege 1 bis 3 vorgenommen worden. Die Sprecherin bestätigte am Mittwoch, dass die Firma Lynberg ihre Unterstützung angeboten habe. Es liefen darüber Gespräche, nähere Angaben dazu könnten zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht erfolgen.
Auf eine gütliche Lösung hofft auch der Starnberger Landrat Stefan Frey (CSU), der sich in der vergangenen Woche ebenfalls an Münchens Oberbürgermeister Krause gewandt hat. Er fragt, ob mit einer Wiedereröffnung der Stege noch in dieser Badesaison zu rechnen sei. Die Sperrung sei zudem eine „wesentliche Einschränkung gerade auch für Menschen mit Handicap, die die Stege als Einstiegsmöglichkeit in den See nutzen“, betont Frey. Eine Antwort aus München hat er bisher nicht erhalten.
Gemeldet sich vor einigen Tagen auch ein Rollstuhlfahrer aus Starnberg. Er verweist darauf, dass Menschen mit Behinderungen oder ältere Personen mit Rollator ohne den Steg nicht über den Kies- und Sandstrand in den See gelangen könnten. Es sei ihm auch „absolut unverständlich“, warum das Baureferat nicht im vergangenen Herbst mit dem Abbau der Stege begonnen und dafür nicht neue Anlagen im Frühjahr errichtet habe.

