bedeckt München 24°
vgwortpixel

Müll:Immer mehr Plastik in der Biotonne

Dem Abfallwirtschaftsverband entstehen hohe Kosten, weil verunreinigter Kompost nicht verwertet werden kann. Awista-Chef Peter Wiedemann hält Kontrollen deshalb für "nicht ausgeschlossen". Im Zweifel bleibt die Tonne dann ungeleert

Weihnachtsgans, Blaukraut und Knödel sind verspeist, der Glühwein getrunken, und übrig sind Mengen von Knochen, Obst- und Gemüseresten, aber auch Papierservietten und Küchentücher. Im hintersten Teil des Kühlschranks wurde der Schinken vergessen, jetzt ist er ungenießbar. Das Brot ist steinhart geworden. All das kann und soll in die Biotonne. Was überhaupt nichts darin zu suchen hat, ist Kunststoff. Und trotzdem wird der Plastikabfall im Biomüll immer mehr. Weil sich das negativ auf die Preise auswirkt, könnte es im kommenden Jahr durchaus sein, dass manche Biotonne nicht geleert wird und stehen bleibt, wenn der Müllmann darin Plastikbeutel oder die vergammelte Gurke in der Schutzhülle findet. "Wir haben beim Bioabfall eine Preiserhöhung um 100 Prozent", sagt Peter Wiedemann, Noch-Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsverbands Starnberg (Awista) und bereits designierter Vorstand des künftigen Kommunalunternehmens Abfallwirtschaft Starnberg (Awista).

Seit 1. Januar 2015 ist die getrennte Erfassung und Verwertung von organischen Abfällen Gesetz. Im Landkreis Starnberg wird der Biomüll in der braunen Tonne bereits seit 1994 separat abgeholt. Und die Mengen steigen. 2017 wurden 9669 Tonnen Biomüll gesammelt und zur Verwertung nach Eitting im Landkreis Erding gebracht. Doch wegen der Störstoffe muss vom 1. Januar 2019 an ein Teil zurückgenommen werden. Vereinbart sind laut Wiedemann bei 9000 Tonnen Bioabfall 500 Tonnen, die der Awista in die Müllverbrennungsanlage Augsburg karren muss. Dass die Verwertung von Kompost aus organischen Abfällen immer schwieriger wird, liegt auch an der neuen Düngemittelverordnung. Die Grenze speziell für Kunststoff liegt nun bei 0,1 Prozent des Gesamtgewichts.

Mülltrennung Biomüll

Mitarbeiter einer Wertstoffanlage durchsuchen Biomüll auf einem Transportband nach Störstoffen wie Plastik und Metall.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ist mehr drin, dürfen Landwirte den Dünger nicht mehr ausbringen. Bevor die Biomüllvergärung in der Anlage beginnen kann, müssen die Mitarbeiter der Firma Wurzer in Eitting Plastiktüten händisch mit dem Rechen entfernen. Dann dauert es ungefähr sechs Wochen, bis aus Speiseresten, Gemüseabfällen Kaffeefiltern, verwelkten Blumen und verdorbenen Lebensmitteln Kompost geworden ist. Bei der Vergärung wird Biogas gewonnen, das in einem Blockheizkraftwerk verstromt und in das öffentliche Netz eingespeist wird, teilt der Awista mit. Aus den Gärresten wird in einem zweiten Verwertungsschritt hochwertiger Kompost erzeugt, der als Bodenverbesserer oder Dünger in der Landwirtschaft oder dem Garten- und Landschaftsbau zum Einsatz kommt - wenn er denn nicht mit Kunststoff belastet ist.

Nicht in die braune Tonne sollten auch Plastik-Biomülltüten, die angeblich kompostierbar sind. Sie verrotten nicht in der relativ kurzen Zeit in der Kompostieranlage und beeinträchtigen den Kompost. Sie lassen sich auch kaum von normalen Plastiktüten unterscheiden. So besteht für den Verbraucher die Gefahr, dass die Biotonne wegen "falscher" Befüllung ungeleert stehen bleibt.

Kunststofftüten braucht es überhaupt nicht im Biomüll, sagt Peter Wiedemann. Damit der Abfall im Winter nicht in der Tonne festfriert, reiche Zeitungspapier, in dem der Müll eingewickelt wird. "Dafür sind auch nicht drei Lagen Papier nötig," meint er. Alternativ zur Zeitung sind Papiertüten möglich. Auch Eierschalen, Papierservietten und Küchentücher nehmen Feuchtigkeit auf. Das gelte im Übrigen auch für den Sommer, um den Befall des Tonneninhalts mit Maden zu verhindern.

Biomüll

Das darf und soll in die braune Tonne:

- Obst- und Gemüseabfälle sowie weitere Küchenabfälle (Trockenobst, Schalen von Obst und Gemüse)

- Eierschalen, Fleisch- und Wurstreste, Knochen, Gräten

- Brot- und Gebäckreste

- Kaffee- und Teefilter/Teebeutel

- Küchentücher, Servietten

- Obst, Obstschalen aus Pappe

- Gekochte und ungekochte Speisereste

- Verdorbene, verschimmelte und ungenießbare, unverpackte Lebensmittel

- Laub, Blumen, Unkraut, Wurzeln, Stroh, kleine Zweige und Rasenschnitt

- Sägespäne aus unbehandeltem Holz, Haustierstreu und Vogelsand in kleinen Menge csn

Sollte die Menge der Störstoffe in der Biotonne nicht zurückgehen oder sogar wachsen, sind Kontrollen "nicht ausgeschlossen", sagt der Awista-Chef. Über das genaue Prozedere muss sich das neue Kommunalunternehmen Gedanken machen. In Oldenburg zum Beispiel werden Anfang 2019 "gelbe Karten" an die Mülltonnen gehängt werden, um die Bürger zum besseren Sortieren zu ermahnen. Sollte das nichts bringen, gibt es von März an "rote Karten" und die Tonne bleibt dort dann ungeleert stehen.