Die Bluttat am 14. Juni vergangenen Jahres in Krailling hat die Region erschüttert. Bei dem Verbrechen, das als Femizid eingestuft wird, war eine 29-jährige Frau in ihrem Haus mit zahlreichen Messerstichen umgebracht worden. Jetzt erhebt die Staatsanwaltschaft München II gegen den heute 37-jährigen Ehemann des Opfers, das wie er aus Jemen stammte, Anklage wegen Mordes vor dem Landgericht München II.
Zudem wirft ihm die Anklage unter anderem vor, nicht nur für die gemeinsamen Kinder, sondern auch für weitere nicht aus der Ehe stammende Kinder in betrügerischer Weise Sozialhilfe und Kindergeld beantragt und teilweise erhalten zu haben. Der Ehemann befand sich seit dem Jahr 2022 in Deutschland, wobei das spätere Opfer mit den drei gemeinsamen Kindern sowie mit weiteren drei, nicht aus der Ehe hervorgegangen Kindern im Wege des Familiennachzuges im April 2025 nach Deutschland gekommen war. Den Ermittlungen zufolge ist es aber schon bald nach ihrer Ankunft zu Streitigkeiten und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten gekommen.
Dabei soll der Mann seine Frau auch verprügelt haben. Diese erstattete schließlich gegen ihn Strafanzeige bei der Polizei und konnte ein Kontaktverbot wegen häuslicher Gewalt erwirken, das acht Tage vor der Bluttat gerichtlich bestätigt wurde. Die Ehefrau hatte sich von ihrem Partner getrennt, was er jedoch nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht hinnehmen wollte. Der Mann habe die 29-Jährige aufgesucht und unter massiver Gewalteinwirkung mit einem Küchenmesser auf sie eingestochen, bis sie schwer verletzt zusammengebrochen und noch am Tatort gestorben sei. Der Angeschuldigte sei so brutal vorgegangen, um die Frau „für ihr vorangegangenes Verhalten zu bestrafen und um seine Macht zu demonstrieren“, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Die Tat erfülle die Mordmerkmale der Habgier, Verdeckungsabsicht, Grausamkeit und der sonstigen niedrigen Beweggründe. Wann der Prozess beginnt, steht noch nicht fest. Es wird auch darauf verwiesen, dass die Unschuldsvermutung gilt.

Der Mord hatte die Menschen in der Würmtal-Gemeinde aufgewühlt. In der Kraillinger Ortsmitte wurde ein Transparent mit der Mahnung aufgehängt: „Keine wird vergessen – Stoppt Femizide“. Davor wurden rote Kerzen aufgestellt. Am Totensonntag erinnerte der Frauennotruf im Landkreis Starnberg an den Femizid als eine „äußerste Eskalationsstufe geschlechtsbezogener Gewalt, die durch ungleiche Machtverhältnisse und Dominanzverhalten motiviert“ sei. Diese Taten würden oft von Männern und Ex-Partnern begangen – insbesondere in Situationen, die mit einer Trennung zusammenhingen.

