Dieses Verbrechen am Abend des 12. Juli vergangenen Jahres in Herrsching hat die gesamte Region erschüttert. Ein junger Mann soll damals einen 74-jährigen Rentner an dessen Haustür im Ortsteil Mühlfeld erstochen haben. Bei dem Opfer handelte sich um den ehemaligen Chefdesigner von Rolls-Royce. Seine Ehefrau konnte sich im letzten Moment vor dem Täter retten und flüchtete zu den Nachbarn, wobei sie stürzte und sich verletzte. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft München II gegen den mutmaßlichen Täter, der sechs Tage nach der Bluttat bei Paris verhaftet worden war, Anklage erhoben - wegen Mordes mit versuchtem schweren Raub mit Todesfolge und vorsätzlicher Körperverletzung.
Die Anklage umfasse mehr als 50 Seiten, erklärte am Freitag auf Anfrage der ermittelnde Staatsanwalt Matthias Enzler. Weitere Details zu dem Fall wollte er nicht miteilen. Auch wann der Prozess vor dem Landgericht München II stattfindet, ist noch unklar. Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Verhandlung voraussichtlich erst in etwa sechs Monaten beginnt. Bisher zeigt sich der beschuldigte Mann gegenüber den Ermittlern schweigsam. Dieser war bereits zwei Wochen nach seiner Festnahme nach München ausgeliefert worden und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der erstochene Rentner und der Täter nicht kannten. Der Mann sei ein Zufallsopfer gewesen, es gebe auch keine Hinweise darauf, dass der Mord mit dessen früheren Job bei Rolls-Royce zu tun habe. Auch einen Auftragsmord oder eine Verwechslung gelten als unwahrscheinlich. Das Tatmotiv blieb lange rätselhaft, doch mittlerweile vermuten die Ermittler, dass der Täter in dem Haus einbrechen wollte und dabei von dem Eigentümer an der Eingangstür überrascht worden war.

Fest steht: Kurz vor der Tat, die sich gegen 21.15 Uhr ereignete, wurden Kabel von Überwachungskameras durchtrennt, doch eine von ihnen hatte der Eindringling vor dem Hauseingang offenbar übersehen. Diese filmte den Täter, der einen roten Rucksack und gelb-grüne Handschuhe trug. Am nächsten Tag wird der Rucksack mit Steinen beschwert im Ammersee am Herrschinger Seeufer entdeckt. Dieser Fund führt zu einem örtlichen Supermarkt, wo eine Überwachungskamera eine Person aufgenommen hatte, die für die Kripo verdächtig erschien. Auf den veröffentlichten Bildern wurde der Mann von einem Zeugen aus München erkannt.
Demnach soll es sich um einen 22-jährigen Serben handeln, der sich offenbar erst seit einigen Wochen in München aufgehalten hatte. Es wird ermittelt, dass der verdächtige Mann am Tattag mit der S-Bahn nach Herrsching gekommen war und auch mit der Bahn über München, Innsbruck und Zürich nach Frankreich geflüchtet ist. Zudem stimmen die Ergebnisse eines DNA-Abgleichs mit den Spuren am Tatort und auf dem weggeworfenen Rucksack überein. Entdeckt wurden obendrein im Wald am Haus des Opfers Utensilien, die man dem Täter zuordnen konnte - offenbar ein Messer und Kleidungsstücke.

