Bildende KunstZwei Malerinnen auf den Spuren der Künstlerkolonie Holzhausen

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Hanna Kuster (links) und Lara Werth kennen sich von der Kunstakademie in Düsseldorf, haben aber noch nie zusammen gearbeitet. Dies wird sich in den nächsten Wochen ändern.
Hanna Kuster (links) und Lara Werth kennen sich von der Kunstakademie in Düsseldorf, haben aber noch nie zusammen gearbeitet. Dies wird sich in den nächsten Wochen ändern. Franz Xaver Fuchs

Das „Mobile Atelier“ des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler macht Station am Ammersee. Die Stipendiatinnen Hanna Kuster und Lara Werth suchen den Austausch mit Einheimischen und bieten Kurse an.

Von Renate Greil, Utting

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Ein Atelier in einem leer stehenden, efeubewachsenen Häuschen in Holzhausen am Ammersee wird derzeit von zwei Künstlerinnen aus der Stadt genutzt. „Mobiles Atelier“ nennt sich das Projekt des Berufsverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), finanziert vom bayerischen Kunstministerium sowie der Gemeinde Utting. „Zeitgenössische Kunst trifft auf Land“, so die Idee. Die Düsseldorferinnen Hanna Kuster und Lara Werth, beide Jahrgang 1996, sind Absolventinnen der Kunstakademie in ihrer Heimatstadt und werden bis zum 19. Juli im sogenannten Malek-Haus zusammenarbeiten und zu Begegnungen einladen.

Dass das mobile Atelier in Holzhausen für zwei Künstlerinnen oder Künstler ausgeschrieben wurde, ist eine Ausnahme. Siebzig Duos hatten sich beworben, die Auswahl aus dieser ungewöhnlich großen Bewerberzahl traf eine Jury. Auch die Gemeinde Utting beteiligt sich an dem Projekt. Sie stellt das Malek-Haus und eine Ferienwohnung zur Verfügung. Das ehemalige Handwerkerhaus ist idyllisch gelegen, auf der Wiese gegenüber sucht ein Storch sein Abendessen und der Ammersee ist nur zwei Gehminuten entfernt. Laut Bürgermeister Florian Hoffmann soll es demnächst zu einem Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden.

Seit 1898 fährt die Ammerseebahn und 1903 ließ ein Hotelier in Holzhausen einen eigenen Dampfersteg bauen. Das brachte eine einfachere Verbindung nach München, denn mit der Fertigstellung der Bahnstrecke München-Herrsching war und ist Holzhausen auch von der gegenüberliegenden Seeseite mit dem Dampfer erreichbar. Der malerische Ort wurde in der Folge zunehmend von Kunstschaffenden entdeckt.

Besonders reizvoll ist es für die beiden Künstlerinnen, sich mit der Künstlerkolonie Holzhausen auseinanderzusetzen. Hier sei „ein guter Ort für bildende Kunst“, sagte Florian Fellner von der JES Kulturstiftung Holzhausen bei der Eröffnung des Mobilen Ateliers am Freitagabend. Rund fünfzig Künstler und Künstlerinnen haben seit 1890 in der Künstlerkolonie Holzhausen am Ammersee gelebt und gearbeitet. Drei Museen gibt es bereits im Ort: das Künstlerhaus Gasteiger und das Adolf-Münzer-Museum sowie das virtuelle Online-Museum „Kuk.art“.

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Damit sich die Tradition des kollektiven Arbeitens fortsetzen kann, hat die JES Kulturstiftung die Kosten für das zweite Stipendium übernommen. Und bei mehreren Gelegenheiten können Interessierte Teil des Projektes werden. Bei den Atelierbesuchen wird laut Kuster gemalt und gezeichnet, aber es könnten auch Geschichten erzählt werden, die die Gäste mit der Region verbinden.

Die beiden Künstlerinnen haben bisher nicht zusammengearbeitet, kennen sich aber aus Kneipengesprächen, wie sie erzählten. Beworben haben sie sich, weil Kuster von früheren Familienbesuchen am Ammersee weiß, „wie schön es hier ist“, und Werth noch nie in Bayern war. Sie brauchte auch eine Übersetzungshilfe, als das Volksmusik-Duo Monika Drasch und Carolin Völk ein Willkommenslied sang.

Lara Werth gestaltet dystopische, imaginäre und futuristische Landschaftsbilder.
Lara Werth gestaltet dystopische, imaginäre und futuristische Landschaftsbilder. Franz Xaver Fuchs

Werth ist viel in Südostasien und Mexiko unterwegs, was auch daran liegt, dass sie Leistungssportlerin im Thaiboxen ist und weltweit Kämpfe bestreitet. Während ihres Aufenthaltes bietet sie auch einen Schnupperkurs Muay Thai Defense für Frauen an.  Das Begleitprogramm des Mobilen Ateliers startet am Freitag, 13. Juni, von 17 bis 19 Uhr mit „After Work Kunst“. Außerdem sind ein Nachmittag mit Senioren, ein Eltern-Kind-Workshop, ein offenes Atelier, Gespräche und eine Finissage geplant.

Seit Oktober 2023 reist das Mobile Atelier durch Bayern, um zeitgenössische Kunst in den ländlichen Raum zu bringen. Dahinter steht die Idee, zeitgenössische Kunst an möglichst vielen Orten in Bayern sichtbar zu machen, wie Maria Buck vom BBK Bayern erläutert. Es soll ein Ort der Begegnung und des Austausches sein. „Kunst und Kontakte“ seien fast eine eigene Kunstform, ergänzt Florian Froese-Peek, ebenfalls vom BBK, denn das Kunstwerk verändere sich, wenn Menschen es sehen.

Hanna Kuster hat ihr „Selbstportrait mit Flossen“ von 2022 mit nach Holzhausen gebracht.
Hanna Kuster hat ihr „Selbstportrait mit Flossen“ von 2022 mit nach Holzhausen gebracht. Franz Xaver Fuchs

Den beiden Künstlerinnen ist gemeinsam, dass sie großformatige buntfarbige Papierarbeiten anfertigen. Mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch zu kommen, ist für Kuster essenziell für ihre künstlerische Arbeit. Werth zieht die Inspiration für ihre dystopischen, imaginären und futuristischen Landschaftsbilder daraus, dass sie regelmäßig die Umgebung wechselt. Nach der Station in Holzhausen geht es für Werth mit dem Van-Rinsum-Stipendium nach Paris. Was Kuster und Werth inspirieren und wie die Begegnungen im Atelier das künstlerische Schaffen einfließen wird, davon kann man sich bei der Finissage am 19. Juli von 16 Uhr an überzeugen.

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