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Mitten in Wörthsee:Regenbogen geklaut

(Foto: Gemeinde)

Beim Skulpurenweg ist schon wieder ein Kunstwerk von Axel Wagner verschwunden. Vielleicht, weil seine farbige Parodie auf den Verbotswahn bestens zur Fußball-EM passt

Glosse von Astrid Becker

Und plötzlich war es weg. Ganz einfach verschwunden. Die Rede ist von einem der "Zeichen" des Künstlers Axel Wagner am Skulpturenweg in Wörthsee. Dort, wo es einst zu sehen war, an der Maistraße, ist nun kein Schild mehr, das als Parodie zum deutschen Verbotswahn zu verstehen war, sondern nur noch eine leere Stange.

Es ist schon der zweite Diebstahl dieser Art, nur dass der Täter laut Gemeinde nun rabiater vorgegangen ist als beim ersten Mal im März. Damals waren keine Spuren zu entdecken: Jetzt aber hat der Täter gleich zur Flex gegriffen, um es von seiner Befestigung zu lösen. Und angeblich will das niemand bemerkt haben. Dabei leben da schon ein paar Menschen. Aber vielleicht haben die grad einen Ausflug gemacht. An einen See, an dem weniger Münchner sind. Oder sie schauten Fußball. Womit wir beim Thema wären: Denn dieses "Zeichen" ist ein besonders buntes, genauer gesagt, ziert es ein Regenbogen. Vielleicht ist es deshalb verschwunden? Und zwar just an dem Tag, an dem die Deutschen gegen die Ungarn antreten sollten und München die Arena nicht in Regenbogenfarben beleuchten durfte? Vielleicht hat der Dieb sich darüber geärgert und wollte mit seiner Tat ein Zeichen setzen für Vielfalt und Toleranz? Dann hätte er zumindest hehre Motive. Wahrscheinlich war es aber nur Sammlerleidenschaft. Wagners Schilder sind halt begehrt. Es wäre dem Künstler zu wünschen, wenn sie auch mal jemand kaufen würde.

© SZ vom 30.06.2021
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