Wahrheit ist laut Wörterbuch die Übereinstimmung einer Aussage mit der Sache, über die sie gemacht wird. Klingt logisch. Ein Beispiel: Wahr ist, dass ein Mensch nicht übers Wasser gehen kann. Bis auf einen, so die Überlieferung. Aber dafür gibt es keinen Beweis, weder auf Facebook noch auf Instagram. Kann also gar nicht wahr sein, ist höchstens ein Wunder.
Für manche ist Wahrheit nur das, was ihnen in den Kram passt. Manche nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau, im Wahlkampf wird nicht selten mit halben Wahrheiten Stimmung gemacht, manche Wahrheit wird beschönigt. Es gibt ganze, nackte und bittere Wahrheiten. Im jüngsten Bürgerbrief der Freien Wähler Wörthsee stehen auch einige Wahrheiten. Zum Beispiel, dass die Gewerbesteuer um zehn Punkte angehoben wurde oder durch Teile der Gemeinde eine Gasleitung verlegt wird.
Zwischendrin nehmen es die Freien mit der Wahrheit aber nicht so genau. Sie behaupten, dass "in 2018 cirka 700 000 Euro (Rechts-)Beratungs- und Planungskosten für die Gemeinde entstanden sind". Tatsächlich seien es 261 000 Euro gewesen, wie Kämmerer Thomas Dischner in der Gemeinderatssitzung erklärte. Die Freien Wähler haben einfach den Haushaltsansatz und die Personalkosten für die Bauamtsmitarbeiter zusammengezählt und die Summe als ihre Wahrheit verkauft. Dabei hätten die FW-Gemeinderäte Harald Lossau, der verantwortlich ist für den Bürgerbrief, und Thomas Bernhard nur einen Blick in den Haushalt werfen müssen. Eine Entschuldigung hielten sie nicht für nötig. Mehr als ein dürres "Danke für die Richtigstellung" war von den ansonsten sehr redefreudigen Gemeinderäten nicht zu hören.