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Mitten in Wörthsee:Aufregung am Straßenrand

Umdekorierte Verkehrsschilder in Wörthsee

Neu am Skulpturenweg Wörthsee: die Schilder von Axel Wagner.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Künstler Axel Wagner und seine extravaganten Verkehrsschilder

Von Christine Setzwein

Kunst ist toll. Sie kann alles sein: schön oder scheußlich, oberflächlich oder hintergründig, bunt oder farblos, modern oder antiquiert oder alles zusammen. Sie kann Menschen zum Lachen, Weinen, Schmunzeln, Nachdenken oder Aufregen bringen. Sogar für diejenigen, die mit Malerei oder Bildhauerei nichts am Hut haben, ist Kunst kein Fremdwort, wie der oft gehörte Satz "Kunst ma amoi a Bier holen" zeigt. Der Job des Kunstkritikers ist ein Traum. Er kann Totengräber oder Königsmacher sein, je nach Lust und Laune und ob ihm die Frisur des Künstlers gefällt. Freilich, das größte Aufsehen hat Kunst, wenn sie skandalös ist. Man denke nur an den Eklat, den Georg Baselitz, der berühmte Inninger, Anfang der 1960er Jahre mit seinem großformatigen Öl-Gemälde "Die große Nacht im Eimer" auslöste, das einen masturbierenden Mann zeigt.

Ein Aufreger sind die Objekte des Greifenberger Künstlers Axel Wagner am Skulpturenweg, auch wenn sie nichts mit Sex zu tun haben. Die mit farbigen Streifen versehenen Verkehrszeichen "Ende sämtlicher Streckenverbote" an den Badeplätzen sollen ein Zeichen von Freiheit durch die Aufhebung von Verboten sein. In den sozialen Medien werden dahinter künstlerische Corona-Sperrgebiets-Schilder vermutet oder gar ein fremdenfeindlicher Hintergrund: Schwarze Streifen auf weißem Hintergrund seien einfach rassistisch. Aber Vorsicht, ihr Kunstkritiker! Einen der berühmtesten, Pietro Aretino, hat es 1556 bös erwischt. Bei einem Lachkrampf rutschte er aus und brach sich das Genick.

© SZ vom 08.07.2020

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