Mitten in TutzingKinogast und Last

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Die Besucher des Tutzinger Kurtheaters stellen den Betreiber jeden Tag vor neue Herausforderungen

Kolumne von Manuela Warkocz

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Wenn zur Schulzeit im Biologiesaal ein Film gezeigt wurde, sehnte man den Moment herbei, dass der Lehrer die Verdunkelungs-Jalousien herunterzog und das Licht ausknipste. Schnell in die hintere Reihe umgesetzt, um endlich dem Schwarm Robert näherzukommen. So ähnlich geht es derzeit im Tutzinger Kino zu. Sobald das Licht zur Filmvorführung ausgeht, setzen sich Zuschauer von ihren vorgegebenen Plätzen um, rücken zusammen, reißen dabei Absperrbänder von Sitzen oder drücken sie einfach platt. Nur dass dieses Stühle-Hopping für Kurtheater-Betreiber Michael Teubig in Corona-Zeiten kein harmloser Spaß ist. Um sein Kino am Laufen zu halten, muss er dafür geradestehen, dass die vorgeschriebenen Abstände im Saal eingehalten werden. Tut er das nicht, blüht ihm bei einer Kontrolle eine Geldbuße von 5000 Euro. Das Gleiche gilt, wenn Gäste sich im Foyer nicht in die Listen eintragen. Teubig kann mittlerweile ein Lied von den variationsreichen Ausreden singen: Von "Ich weiß meine Handynummer nicht" bis "Ich weiß ja dann, wo meine Freundin wohnt." Auf den Hinweis, dass für jeden Zuschauer separat ein Zettel auszufüllen ist, bekam Teubig zu hören: "Unsinn, in anderen Kinos wird das auch so gehandhabt. . ." Worauf der Cineast doch etwas die Contenance verlor und die renitente Dame beschied, in diese "anderen" Kinos zu gehen, um den Film anzuschauen.

Was Schüler in ihren Schulgängen offenbar gut hinkriegen, scheint für Erwachsene im Kurtheater eine Herausforderung zu sein: das Einbahnstraßensystem, markiert mit großen Richtungspfeilen am Boden. Damit Ein- und Ausgang getrennt sind und sich die Zuschauer - beileibe keine Besucherströme, sondern eh nur vereinzelte Gäste - nicht zu nah begegnen. Geht der Film los, verschließt Teubig die Eingangstür. Die Ausgangstür gegenüber ist mit "Hier nur Ausgang" gekennzeichnet. Was kürzlich zwei Damen, die einzigen in einer Vorstellung, aber ignorierten. Sie rüttelten an der Eingangstür und verschwanden dann durch den Notausgang. Der aber ist ausdrücklich nur für Notfälle ausgewiesen. Denn er führt vom Kurtheater auf ein Privatgrundstück. Bei den Bewohnern schrillten, wie sie Teubig am nächsten Tag anvertrauten, die Alarmglocken. Sie hatten von ihrem Schlafzimmer aus die zwei im Dunkeln umherirrenden Personen auf der Terrasse und im Garten für Einbrecher gehalten.

© SZ vom 09.10.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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