Mitten in Starnberg Finger weg vom Geheimtipp

Oder wie man den Zorn auf sich zieht

Von Michael Morosow

Es wird endlich wieder Sommer. Und mit der Temperatur steigt der Drang in allen Rundfunk-und Zeitungsredaktionen dieser Republik, der eigenen Leserschaft bezüglich Freizeitgestaltung geistig ein wenig zur Hand zu gehen. Mit Ausflugstipps zum Beispiel. Wichtigstes Merkmal eines gelungenen Ausflugtipps: Es darf kein Klassiker sein wie der Starnberger See oder das Kloster Reutberg. Kennt eh jeder. Die erste Reaktion des Lesers sollte vielmehr sein: "Oh, wenn ich das schon früher gewusst hätte." Dem Tipp muss also etwas Extraordinäres, Geheimes anhaften. Ayurvedisches Kräuterschütteln beim Bio-Bauern im Oberland wäre so etwas. Oder ein Selfie-Workshop mit Murmeltieren auf der Alm. Was aber für heiße Tage wirklich der Burner-Tipp ist: Baden mit Einheimischen in einem versteckten Weiher. In einem Weiher, von dessen Existenz bis heute nur die Einheimischen gewusst haben. Ein Geheimtipp par excellence also, mit dem jede Zeitung beim Leser punkten kann.

Zumindest ein Journalist wird davon in Zukunft seine Finger lassen. Jener nämlich, der im Vorjahr einen stillen Weiher im Münchner Norden (Himmelsrichtung geändert) verraten hat und kurz nach Drucklegung seines aufklärerischen Werkes sich abermals dorthinbegab - in einem Auto mit Münchner Kennzeichen. Wieder tauchte er in eine heitere, entspannte Freizeitstimmung ein, genoss die Sonne und das saubere Wasser, als auf einem Handtuch nebenan das Auto mit Münchner Kennzeichen zum Gegenstand einer kurzen Erörterung wurde. Sinngemäß ging es zunächst darum, dass man an diesem Weiher sauberes Wasser, viele Fische und paradiesische Ruhe vorfinde. Wörtlich sagte ein circa zwei Mal zwei Meter großer Badegast nach dem Komma: " . . . aber jetzt hat so a Volldepp von der Süddeutschen Werbung dafür g'macht." Der Volldepp von der Süddeutschen traute sich deshalb so lange nicht in sein Auto mit Münchner Kennzeichen einzusteigen, bis sich der zwei Mal zwei Meter große Badegast aus dem Staub gemacht hatte. Sein persönlicher Ausflugstipp lautet deshalb jetzt: Starnberger See oder Kloster Reutberg.

Aber für den Herbst ist eine neue Serie geplant. Ihr Titel: "Die geheimsten Schwammerlplätze in der Region."