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Mitten in Starnberg:Eine Wiese mit vier Namen

Und schon wieder bekommt das Fleckchen zwischen Bahnlinie und Schifffahrt am Starnberger See eine neue Bezeichnung

Kolumne von Peter Haacke

Die schönsten Grundstücke am Starnberger See haben sich schon immer die Obrigkeiten unter den Nagel gerissen: Adelige, Geldige und Gläubige nahmen wie selbstverständlich die besten Areale in Beschlag. Fürs gemeine Volk blieb da nicht viel übrig. Umso mehr freuten sich die Starnberger, als die Stadt vor zehn Jahren mit großem Wohlwollen des Freistaats ein echtes Schnäppchen machte. 12 000 Quadratmeter direkt am Seeufer mit unverbaubarem Alpenblick für schlappe 3,5 Millionen Euro - also nicht einmal 300 Euro pro Quadratmeter - dürften jeden Makler vor Neid erblassen lassen. Allerdings hätte die Wiese neben der Bayerischen Seenschifffahrt einem konkreten Zweck dienen sollen. Der Teilfinanzierung der Seeanbindung - ein komplexes Zukunftsvorhaben rund um den historischen Bahnhof mit Umbau der Uferpromenade.

Daraus wurde bisher nichts. Stattdessen beschloss der Stadtrat 2015, aus der Wiese am Nepomukweg vorerst ein öffentliches Erholungsgelände zu machen. Um die Namensgebung fürs anheimelnde Stückchen Erde aber schwelte ein Konflikt: Ex-Bürgermeisterin Eva John hatte das Gelände "Bürgerpark" getauft, CSU-Stadtrat Gerd Weger aber beharrte auf "Himbsel-Park". Alte Starnberger dagegen sprachen stets von "Schiffswiesn".

Um der leidigen Debatte ein Ende zu bereiten, rief Starnbergs frisch gebackener Bürgermeister Patrick Janik als erste Amtshandlung zum Namenswettbewerb auf: Am demokratischen Akt der Namensfindung beteiligten sich 99 Bürger, eine Jury präsentierte dem Stadtrat drei Vorschläge zur Endauswahl: Schiffswiesn, Nepomukwiesn oder Bucentaurpark. Auch wenn manchem die Bezeichnung "Park" angesichts der Grundstücksdimension eher lächerlich erscheinen mag, votierte das Gremium mit 19 zu zehn Stimmen für "Bucentaurpark". Der 1665 in Dienst gestellte "Bucentaur", legendäres Prunkschiff einer ganzen Flotte der bayerischen Kurfürsten, diente barocker Prachtentfaltung mit tagelangen Seefesten und Jagden. Klingt zwar ein bisschen dekadent. Passt aber auch wieder irgendwie zum legendären Ruf Starnbergs.

© SZ vom 02.07.2020
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