Mitten in Starnberg Ein Jahr in einer Sekunde

Wie schaffts man es, ein  Geschäftsjahr rasend schnell abzuwickeln?  Das können nur die Starnberger

Von Christine Setzwein

Die Zeit ist ja eigentlich nur eine physikalische Größe, wer anderes als Physiker sollte sich also damit herumschlagen. Zeit ist ohnehin relativ. Für Albert Einstein ist Zeit das, was man an der Uhr abliest. Das Heute ist morgen schon wieder Gestern. Toll. Eine Eintagsfliege muss sich keine Gedanken über die Zukunft machen, lebt einfach unbeschwert in den Tag hinein.

Aber die Zeit macht sich breit, drängt sich in den Vordergrund, will immer wichtig sein. Der liebe Gott zum Beispiel hat sich genau sechs Tage Zeit genommen, um die Welt zu erschaffen. Zuerst das Licht, dann die Walfische und zum Schluss den Menschen. Dabei hätte es vielleicht nicht geschadet, hätte er ein oder zwei Tage länger darüber nachgedacht. Heute regt sich dieser Mensch auf über die Zeit, die ihm gestohlen wird, über die Zeitumstellung, die seinen Biorhythmus durcheinanderbringt. Er debattiert mit Zeitgenossen über den Zeitgeist, jammert - mit Blick auf den teuren Chronografen - über den Zeitdruck, fürchtet sich vor Zeitbomben, kritisiert die Zeitung und nimmt sich viel zu wenig Zeit für den Zeitvertreib. Für Skirennfahrer entscheiden Hundertstelsekunden über Top oder Flop. Stundenlange Polit-Talks gehören in die Sparte Zeitverschwendung, jedenfalls oft.

Manchmal wird der Zeitfaktor einfach überbewertet. Wie lange ein CSU-Verkehrsminister noch braucht, bis die Bahn pünktlich kommt und jeder von Gott erschaffene Mensch in Deutschland Zugang zum Internet hat, weiß niemand. Dafür bekommt das Zeitlupentempo endlich wieder eine Bedeutung.

Dabei gibt es echte Zeitfüchse. Die Starnberger zum Beispiel. Die schaffen es in einer Sekunde, dass aus dem Eigenbetrieb "Abfallwirtschaft" des Landkreises das eigenständige Kommunalunternehmen "Abfallwirtschaft Starnberg" wird. Die formale Umwandlung hat am 1. Januar 2019 genau von 00:00:00 Uhr bis 00:00:01 gedauert. Für das sehr kurze Rumpfgeschäftsjahr wird dem Kreisausschuss an diesem Donnerstag die Eröffnungsbilanz, der Jahresabschluss und auch noch der Lagebericht vorgelegt. Wie man aus einer Sekunde ein Jahr macht? Das können nur die Starnberger.