Vor genau zwei Jahren war alles noch ganz anders. Klar, von Corona hatte man schon ein wenig erfahren. Da war dieser Mitarbeiter von Webasto in Stockdorf, der sich als erster hierzulande mit dem damals noch recht merkwürdigen Erreger aus China infiziert hat. Aber der Alltag sah zu dieser Zeit noch genauso aus wie immer.
Die Kollegin schildert diesen jedenfalls so: Ihr erster Weg nach dem Aufstehen führte zur Kaffeemaschine. Nach dem Genuss von ungefähr drei großen Tassen des Gebräus fühlte sie sich endlich bereit, das Badezimmer aufzusuchen, sich zu reinigen, zu pflegen, aufzuhübschen und dann ins Büro zu fahren. Ganz wichtig war es für sie dann aber, möglichst noch vor der ersten Besprechung des Tages in die Küche zu eilen, um sich dort die vierte Tasse Kaffee zu kochen, ohne die sie, so zumindest die feste Überzeugung, kaum den Ausführungen des Chefs zu wichtigen Themen wie der Unsterblichkeit des Maikäfers würde folgen können.
Nachdem die Aufgaben des Tages mehr oder weniger sinnvoll verteilt worden waren, konnte sie mit der eigentlichen Arbeit ohne Kaffee kaum beginnen. Dies wiederholte sich auch nach der Mittagspause: "No coffee, no work", erzählt sie. Am Nachmittag so gegen 16 Uhr erreichte sie ihr absolutes Tief: Noch ein Kaffee musste her. Wie ihr erging es um diese Stunde auch so manchem Kollegen, man traf sich also in der Küche, erzählte sich die ein oder andere komische private Geschichte und entwickelte daraus nicht selten auch Ideen, wie sich der Arbeitsalltag leichter gestalten könnte oder welche Themen eigentlich nicht nur für einen selbst, sondern auch für geneigte Leser interessant sein könnten. Schlaflosigkeit zum Beispiel, darunter litt die Kollegin am meisten.
Kaum ins Homeoffice gewechselt, alles wegen dieses Virus, zog sich dieser Rhythmus fort. Zumindest noch eine geraume Weile, bis ihr auffiel, am Nachmittag keine Kollegen mehr in der Küche zu treffen und noch immer nicht gut schlafen zu können. Also fiel als erstes der Nachmittagskaffee aus. Die Mittagspausen wurden sukzessive langweiliger - ohne die Kollegen. Deshalb, so dachte sie, könnte sie sich nun auch den Espresso danach sparen und lieber ein wenig Frischluft tanken. Mit der Zeit stellte sie dann fest, dass morgens, nachdem sie ja nicht mehr mit dem Auto ins Büro fahren muss plötzlich auch eine Tasse Kaffee reichte, um wach zu werden. Und mittlerweile, so sagt sie nun, habe sie die Pandemie zwar gründlich satt, aber eines habe sie ihr gebracht: endlich einen guten Schlaf.