Mitten in Starnberg Ameisen, Geld und Bier

Was haben die Ameisen mit den Starnbergern gemein? Nicht viel, oder?

Kolumne von Sabine Bader

Es gibt einen Bilderwitz des US-amerikanischen Cartoonisten Gary Larson: Da sitzen zwei Ameisen auf einem Fliegenpilz und schauen verträumt in den Nachthimmel. Die eine sagt zur anderen: "Schau Dir heute Nacht nur die Sterne an . . . Man fühlt sich so klein und unbedeutend." Dabei sind Ameisen doch nicht unbedeutend. Halten sie doch den Wald gesund, indem sie den Boden durchlüften, Pflanzensamen verbreiten und Abfälle verwerten. Mindestens so wichtig, wenn nicht noch mehr, sind auch die Landkreisbürger. Sie schaffen es regelmäßig, dass die ganze Republik über sie spricht. Klar, weil sie in einem Landstrich leben, wo andere Urlaub machen. Feriengäste wie Einheimische bevölkern gern die Badestrände oder radeln um einen der fünf Seen - ohne E-Bike vorzugsweise um den kleinsten, den Weßlinger See. Da kommt man schneller in den Biergarten, um sich eine kühle Halbe zu genehmigen. 183 000 Hektoliter Bier wurden im Landkreis 2018 getrunken, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Macht 135 Liter pro Kopf.

Ob die Starnberger damit eine Spitzenposition im Bundesdurchschnitt einnehmen, verrät die Gewerkschaft nicht. Zuzutrauen wäre es ihnen. Schließlich sind sie es gewohnt, an der Spitze zu sein. Gibt es im Fünfseenland doch die höchste Cabriodichte, die schmucksten Villen und die wohlhabendsten Bürger der Republik. Das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen der Privathaushalte liegt bei durchschnittlich fast 35 000 Euro im Jahr und ist damit mehr als doppelt so hoch wie in Gelsenkirchen, das mit rund 16 000 Euro pro Person das Schlusslicht im Einkommensranking bildet. Anders gesagt: Im Monat hat der Starnberger einen Fetzenrausch und durchschnittlich 2915 Euro in der Tasche. Das mag viel sein, aber damit kann man auch keine Sterne vom Himmel holen.