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Mitten in Inning:Keine Angst vor Zebrastreifen!

Was in anderen Ländern ganz normal ist, ist hierzulande verpönt: weiße Striche auf den Straßen

Sie naht tatsächlich, die Urlaubszeit. Das ist daran zu spüren, dass die Terminkalender so vollgestopft sind wie sonst nur vor Weihnachten. Eine Stadt- oder Gemeinderatssitzung jagt die nächste, bevor endlich die Reise gen Süden angetreten werden kann - und die Urlauber aus dem Fünfseenland plötzlich wieder viel Zeit haben. Zum Beispiel dafür, die vielen Kreisverkehre zu bewundern, die es in Italien schon gefühlt seit den Römern gibt, oder an einem Zebrastreifen in Spanien anzuhalten, sollte glatt jemand über die Straße wollen.

Ja, von anderen Ländern kann man was lernen. Kreisel zum Beispiel kennt man hier mittlerweile gut. Verwunderlich hingegen ist, warum Autofahrer aus dem Fünfseenland im Urlaub überhaupt noch wissen, was ein Zebrastreifen ist. Denn die weißen Striche auf der Straße sind verpönt - außer vielleicht bei Starnbergs Bürgermeisterin Eva John, die manche schon als "Mutter aller Zebrastreifen" bezeichnen.

Das mag übertrieben sein. Aber in Inning beispielsweise plagt man sich damit herum, wie der Marktplatz auf der Ortsdurchfahrt so gestaltet werden kann, dass einerseits Busse halten können, andererseits Fußgänger sicher über die Straße kommen. Dummerweise wird die Straße mit einer Mittelinsel als Querungshilfe recht eng und der Platz für die Wartenden an den Bushaltestellen knapp. Kein Wunder also, dass sich manche Gemeinderäte große Sorgen machen. Aber einfach einen Zebrastreifen auf die Straße pinseln - wie nur in Starnberg möglich -, geht in Inning nicht. Weil das weder Landratsamt noch Polizei wollten, sagt Bürgermeister Walter Bleimaier. Zebrastreifen gelten nämlich als gefährlich. Mittelinseln offenbar nicht.

Aber wer weiß, vielleicht fahren die Menschen, die das denken, ja auch mal in Urlaub. Zum Beispiel nach Italien oder Spanien. Und kommen mit neuen Erkenntnissen zurück. Vielleicht damit, dass Zebrastreifen doch nicht so falsch sind. Bei den Kreiseln soll das ja auch funktioniert haben. Oder etwa nicht?

© SZ vom 23.07.2019
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