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Mitten in Gauting:Viele Hände, schnelles Ende

Kastanienallee retten, Grünflächen pflegen, Automaten mit Blumensamen nachfüllen: Die Gemeinde entdeckt die Bürger als Mitarbeiter

Glosse von Michael Berzl

Man muss die Arbeit nur gut verteilen, dann lässt sich allerhand ganz locker erledigen. Nach dieser Devise verfährt Michaela Thiel, die im Gautinger Rathaus für Umwelt, Naturschutz und Grünflächen zuständig ist und voller Ideen steckt. Patenschaft heißt das Zauberwort, mit dem die umtriebige Rathaus-Mitarbeiterin versuchen will, dass zumindest ein Teil ihrer vielen Ideen auch Realität wird.

Eine Kastanienallee retten oder Grünflächen im Ort pflegen, einen Automaten mit Blumensamen nachfüllen oder eine Hütte betreuen, in der Gebrauchsgegenstände zum Verschenken abgelegt werden können; dabei müsste man natürlich darauf achten, dass daraus keine Sperrmüll-Halde wird: All das könnten Paten übernehmen, wie die Naturschutzbeauftragte im Umweltausschuss erläutert hat. Kostet nix, entlastet die Mitarbeiter des Bauhofs und fördert zugleich das Gemeinwesen. Auch eine Gewässerpatenschaft wäre denkbar. Kindergartengruppen, Schulklassen oder Senioren könnten dabei die Aufgabe übernehmen, einen Bach zu säubern oder störende Pflanzen zu entfernen.

In Gauting könnte das durchaus funktionieren, wie die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen. Für die 20 Kastanien bei Grubmühl beispielsweise haben sich laut Thiel schon 31 Baumpaten gefunden. Ausgaben in Höhe von 8500 Euro seien so etwa zur Hälfte gedeckt worden. Außerdem gebe es acht Grünpatenschaften. Dabei übernehmen Bürger die Pflege von Grünflächen und tragen so dazu bei, das Ortsbild zu verschönern.

Um Sitzbänke zu finanzieren, sind die Gautinger bereit, in den eigenen Geldbeutel zu greifen. Sechs Bänke seien im vergangenen Jahr so bezahlt worden. Dabei geht es um Größenordnungen von 480 Euro fürs Standardmodell oder 600 Euro für die seniorenfreundliche Ausführung mit Armlehnen.

Nur zur Erinnerung: Für die aufwendige Sanierung des historischen aber in der Vergangenheit auch arg störungsanfälligen Mühlrads in der Würm hatten die Gautinger etwa 17 000 Euro gespendet. Nun dreht es sich seit zwei Jahren wieder zuverlässig im Wasser - dank großzügiger Mühlrad-Paten.

© SZ vom 18.06.2021
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