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Mitten in Gauting:Das Virus blatt machen

Wie kann die Lösung des Corona-Problems aussehen? In der Asklepios-Klinik kommt diese buchstäblich aus dem Drucker

Glosse von Carolin Fries

Natürlich kommt es auf die Kleinigkeiten an. Vor allem, wenn es einem schlecht geht. Das weiß jeder, der schon einmal im Krankenhaus lag. Dann scheinen der Blumenstrauß auf dem Nachttisch und die mitgebrachte Schokolade mehr zu helfen als die Tabletten in der Dose daneben. Und es sind weniger die Worte des Arztes bei der Visite, die Trost und Zuversicht spenden, denn die von der Grußkarte.

Doch woran soll sich aufbauen, wer gerade eine Pandemie bekämpft, wie derzeit die Ärzte und Pfleger in der Gautinger Asklepios-Klinik? Es soll an dieser Stelle verraten sein: an "Corona Office Solution". So heißt das Kopierpapier, das im Pandemiezentrum benutzt wird. Und das erklärt vieles. Jedes Stück Papier, das hier aus einem Kopierer oder Drucker kommt, beinhaltet quasi die Lösung des Problems. Ganz gleich ob es sich um Dienstpläne, Zimmerbelegungen oder Bestellungen handelt. "Der Allrounder für das Büro mit guten Laufeigenschaften" beschreibt der Hersteller sein Produkt ganz unspektakulär. Und wo wir schon bei den Laufeigenschaften sind: Blickt man sich in der Region um, so kann man schon sagen, dass es in der Gautinger Klinik läuft. Vermutlich auch, weil das Personal hier immer "Corona Office Solution" in der Hinterhand hat.

Wenn ein Packen leer ist, dann liegt da im Schrank immer ein neues Paket. Ein einziges großes Versprechen. Einmal aufgerissen, in die Geräte gelegt und bedruckt, verbreitet sich so die heilsbringende Botschaft quasi scheibchenweise durch die ganze Klinik. Und sollten eines Tages genug Papiere bedruckt sein, dann ist das Corona-Rätsel für immer gelöst und die Pandemie gestoppt. 200 Jahre beträgt die Alterungsbeständigkeit des Papiers laut Hersteller. So lange sollte es aber nicht dauern.

© SZ vom 19.11.2020
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