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Mitten in der Region:Wenn die Pumpe heiß läuft

Warum es manchmal doch sinnvoll sein kann, die Gebrauchsanleitung zu lesen

Kolumne von NICOLE GRANER

Ach, Mann! Ja, und auch ach, Frau! Da will man mit der großen Autokiste davonbrausen und nichts geht: ein Platten im linken Hinterreifen. Wie der da reingekommen ist? Keine Ahnung. Platt ist nun mal platt. Ärgern hat keinen Sinn. Überlegen: Zum Glück hat man mal eine lange Afrika-Reise gemacht und kennt sich aus mit Kompressoren.

Vor der Wüstenfahrt Luft raus, damit die Reifen weicher werden wegen des Sandes. Kaum raus aus der Wüste, muss die Luft wieder rein. Wegen der tückischen, löchrigen oder buckeligen Straßen. Wie oft hat man da am Boden gekniet, das kleine Kästchen im schwarzen Köfferchen herausgeholt und Reifenkappen ab- und wieder angeschraubt, den geringelten Luftschlauch angesetzt und den kleinen Pusterich mit lautem Geröhre seine Arbeit machen lassen. Genau so ein ähnliches Kistchen hat der Afrika-Reisende seitdem im Haus. Prima! Also nichts wie in den Keller und ran das Ding an den platten Reifen.

Am Anfang pustet es auch noch ganz brav. Doch so ein gutes Gerät wie in Afrika ist es halt dann doch nicht. Denn plötzlich wird es laut und immer lauter: Es pustet nicht mehr, es macht nur noch Lärm. Dann wird das Teil auf einmal ordentlich heiß. Und dann geht da gar nichts mehr. Irgendwie ist aber doch noch so viel Luft in den Reifen gekommen, dass immerhin die Fahrt zur Lieblingswerkstatt möglich ist.

Das alte Teil riecht schön verschmort und ist nicht mehr zu gebrauchen. Aber weil man ja nie weiß. . . Ein neues wird sofort bestellt. Und dieses Mal liest man die Gebrauchsanweisung dann doch einmal richtig durch. Und da steht natürlich ganz brav, dass man den Kompressor - bei langen Füllungen - immer wieder ausstellen muss, damit er nicht heiß läuft. Na, gut, das war eben in Afrika anders. Aber da hieß das Ding ja auch nicht - falsch geschrieben - "Tragbarer Reifenfüllgerät".

© SZ vom 29.06.2020
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