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Mitten in der Region:Tom und die Pandemiemaus

Mit dem Stubentiger ist noch ein zweiter neuer Hausgenosse eingezogen

Glosse von ALEXANDRA LEUTHNER

Das Pandemiehaustier erblickte kurz nach Beginn des ersten Lockdowns das Licht der Welt. Plötzlich wurden massenhaft Welpen importiert, Hündinnen kamen mit der Produktion von Nachwuchs kaum mehr nach, in Tierheimen wurde es still. Da schafften sich plötzlich auch Leute pelzige Mitbewohner an, die bis dato nicht mehr gewusst hatten, als dass Katzen Whiskas kaufen würden und dank Chappi ein ganzer Kerl aus dem Border-Collie wird. Doch während all die, die jetzt ihren Retrievern oder Möpsen im Park hinterherjoggen, sich darüber Sorgen machen müssen, wie sie Bello ins karibische Strandhaus schleusen können, müssen die neuen Katzenbesitzer dafür sorgen, dass Mieze zu Hause ihr Auskommen hat.

Mit dem Stubentiger ist noch ein neuer Hausgenosse eingezogen. Die Pandemiemaus. Ein putziges Tierchen, das jeder Abstandsregel trotzend fremde Haushalte entert und mit unglaublichen Überlebensfähigkeiten ausgestattet ist. Einbauküchen, Klaviere und Heizungskörper dienen ihm als Verstecke. Ein blöder Zustand für alle Beteiligten. Für die Menschen, weil sie um ihre Einrichtung fürchten. Für die Katze, weil der Spaß ein Ende hat, wenn der nicht mit dem Knacken der Mäuseknöchelchen im Raubtiergebiss endet. Und für die Maus - na ja. Besser ist es da schon, Katze und Maus im Badezimmer einzusperren, wenn sich's schon so gut ergibt, dachten sich neulich Frauchen und Herrchen, jeweils gefangen in Videokonferenzen und in der Hoffnung, dass die Qual des Nagers dort schnell ein Ende haben würde. Und überhaupt, vom Fliesenboden sind die Mäuseköttel gut abzuwischen, dachten sie. Dumm nur, dass der Plan nicht aufging. Diese Katze stellt sich dümmer an als Kater Tom, und Mäuserich Jerry hatte sich eineinhalb Stunden später gemütlich im Handtuchstapel eingerichtet. Da kommt die Frage auf, was passiert, wenn Katz demnächst allein zu Hause bleibt. Tanzen dann die Mäuse? Das Sprichwort ging doch irgendwie anders. Aber früher waren Katzen ja auch mal dazu da, Haus und Hof von Mäusen zu befreien. Das muss vor der Pandemie gewesen sein.

© SZ vom 16.06.2021
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