Mitten in der Region:Ring auf Wanderschaft

Es gibt Geschichten, in denen am Ende alles gut wird. Diese ist eine davon

Glosse von Peter Haacke

Es gibt in diesem fatalen Corona-Jahr nicht allzu viele Geschichten, in denen am Ende alles gut wird. Aber eine davon kann Marion Fenzl erzählen, Fußpflegerin aus Starnberg. Zu ihrem eigenen Erstaunen fand sie eines Tages einen goldenen Ring in ihrer Geldbörse. Wie das Kleinod dorthin gekommen war, schien ihr unerklärlich. Doch es gab Hinweise: In der Gravur des Rings fand sich die Jahreszahl 1949 und ein paar Buchstaben, ein Ehering also. Weil die Frau sich nun keinen Reim darauf machen konnte, sich aber auch keinesfalls an fremdem Eigentum bereichern wollte, verkündete sie ihren Fund auf Facebook. Die ersten Reaktionen waren eher pragmatisch: "Fundbüro", schrieb einer, ein anderer "Pfandleihe". Doch dann meldete sich der Starnberger Sebastian Hess: "Ich weiß, wem der gehört!"

Schnell waren Telefonnummern ausgetauscht und der Eigentümer ausgemacht: Dr. Reinhard Luyken, 99 Jahre alt, aus Berg. Den Verlust des Schmuckstücks hatte der Senior wohl bemerkt: Jahrelang trug er den Ring im Gedenken an seine 2008 gestorbene Ehefrau an der Hand, doch eines Tages war das gute Stück einfach mal abgefallen. "Die Finger werden halt immer dünner", weiß der frühere Arzt. Er bewahrte den Ring seither in seiner Geldbörse auf. Nun begab es sich aber, dass Fußpflegerin Fenzl bei dem alten Herrn zu Werke schritt. Nach verrichteter Arbeit zeigte sich der Mann großzügig und gab ein weihnachtliches Trinkgeld. "Einfach rausgeschaufelt", erinnert sich der Senior, habe er die Münzen aus seinem Portemonnaie. Was dabei aber sowohl dem Doktor als auch der Fußpflegerin entging: Um ein 10-Cent-Stück herum hatte sich passgenau und höchst unauffällig der goldene Ehering angeschmiegt.

Überglücklich nahm Dr. Luyken vor wenigen Tagen das gute Stück, das ihn an die Hochzeit an Pfingsten 1949 erinnert, in Empfang. "Ich war völlig verblüfft", sagt er. Das Schmuckstück hat Luykens Tochter derweil sicher in einer Schachtel verwahrt. Allerdings tauchte dabei eine weitere Frage auf: Gesucht wird nun der Ring seiner Frau, der sich aber hoffentlich auch noch finden lässt.

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