Mitten in der RegionLasst Euch nicht erwischen

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Für seine Vernügungen hatte ein Paar ausgerechnet den Vorraum der Sparkasse ausgesucht. Keine gute Idee.

Glosse von Wieland Bögel

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Es gilt gemeinhin als Allgemeinplatz, dass, sollte jemand in einen ungelösten Konflikt mit den Strafverfolgungsbehörden verwickelt sein, eine gewisse Unauffälligkeit nicht ganz unpraktisch ist. Als unerreichtes Vorbild in dieser Disziplin gilt Dr. Richard Kimble, der immerhin über vier Jahrzehnte lang seinen Verfolgern erfolgreich davonlief. Da er bekanntlich eine fiktive Figur ist, brauchte es zwei Serien mit insgesamt 143 Folgen und einen Spielfilm, bis "the fugitive" seine Flucht am Ende zu einem Happy-End bringen konnte.

Auf ein Happy Ending ganz anderer Natur hatten es zwei Personen abgesehen, welche am Donnerstagabend in der Poinger Sparkasse auffällig wurden. Gegen halb zehn rief jemand bei der örtlichen Polizei an und teilte mit, dass sich, so schreibt es die Inspektion später in ihrer Pressemitteilung: "ein Paar im Vorraum der Sparkasse sexuell vergnügen würde". Was zwar schon ein bisschen aber auch nicht allzu außergewöhnlich ist, sonst hätte man schließlich nicht den Paragraphen 183a ins Strafgesetzbuch schreiben müssen, der eben solches Verhalten, sofern man "dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt", unter Strafe stellt.

Da das mit dem Ärgernis durch den Anruf auf dem Polizeirevier durchaus als gesichert gelten konnte, folgte, was in solchen Fällen immer folgt: "Das Liebesspiel wurde durch die eintreffende Streifenbesatzung beendet", schreibt die Polizei in ihrem Bericht. Der auch weitere Informationen zu den beiden enthält: Eine 51-jährige Münchnerin und einen 43-jährigen Münchner, "die beide nur das Nötigste entblößt hatten" und einen Grund für ihren Zwischenstopp im Sparkassenvorraum nennen konnten: " Sie gaben an, sie seien auf dem Weg nach München und wollten sich nur etwas aufwärmen", notierten die Beamten.

Schon etwas ungewöhnlicher - und jetzt kommt endlich der Teil mit dem Bezug zu Dr. Kimble - war, dass sich herausstellte, die beiden seien zur Fahndung ausgeschrieben. Wie lange schon und wie vielen Serienfolgen und Spielfilmen dies dann entspräche, teilt die Polizei zwar nicht mit, allerdings scheint der der Fahndung zugrundeliegende Sachverhalt auch nicht unbedingt geeignet, ein längliches Unterhaltungsformat zu füllen. Festgenommen wurden die zwei von der Sparkasse nämlich nicht, man habe lediglich die für die Fahndungen zuständigen Dienststellen verständigt und des weiteren dem Pärchen einen Platzverweis erteilt. Also quasi ein behördliches: "...und lasst Euch hier nicht wieder blicken" - Dr. Kimble hätte sich über so eine Ansage sicher gefreut.

© SZ vom 07.03.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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