Mitten in der Region:Das hält der tollste Hund kaum aus

Streicheleinheiten sind schön und gut, aber manchmal wird's sogar Hund Müsli zu viel

Kolumne von NICOLE GRANER

Jüngst war Welt-Ausflug-Tag. Als ob sich alle Schulen und Kindergärten auf diesen einen Tag verständigt hätten, wuselt es gefühlt überall. Schülerinnen und Schüler on Tour. Schon vor der Schule steht ein Bus. Aha, es geht wohl weiter weg. Die Kinder sind gut ausgerüstet. Mit Wasser-Trinkflaschen, kleinen Rucksäcken. Ein Gejohle, eine Freude - und das, was man aus eigenen Kindertagen kennt: einen Sitzplatz ergattern, ganz hinten, damit es schön rumpelt über den Reifen.

Und erst im Englischen Garten. Um neun Uhr früh! Dort, wo es sonst wohltuend still ist, ist was los. Auf schönen Plätzen, ganz nah am Wasser, liegen sie in allen Farben: Picknickdecken. Die Kleinen einer Kindergartengruppe knabbern und gluckern gemütlich. Mädchen hüpfen Gummitwist, andere spielen am Wasser.

Als Gassi-Geher mit einem wirklichen Wuschelhund - Müsli ist Autralian-Shepherd-Hündin mit einem fürwahr herrlichen Fell - ist das fast ein bisschen wie ein Spießrutenlauf. "Ui, schau", ruft ein kleines Mädchen ihrer Freundin zu und rennt voller Freude auf den an der Leine geführten Hund zu. Gut, dass man geübt hat. Müsli bleibt ruhig, macht brav Platz - und wird sofort niedergestreichelt. Von einem, zwei, dann vier Kindern. Platz, sitz, streicheln. Platz und wieder sitz! Die Kinder sind begeistert. Müsli aber dreht den Kopf zur Seite, nach dem Motto: "Wie lang geht das denn noch?"

Also weiter geht's. Nur wohin? Zwei Wiesen danach das gleiche Spiel. Müsli macht einen Bogen. Soll heißen. Nicht dahin. Also ein anderer Weg. Diesen haben Schüler der höheren Klassen für sich entdeckt. Sie marschieren im Pulk. Singen, lachen, ratschen laut. "Ui, so ein süßer Hund, darf ich mal streicheln?", fragt eine Schülerin. "Mhmm, ja, aber nur kurz!". Müsli macht platz, sitz, platz und sitz. Siehe oben. Puh, endlich findet man eine kleine Bank. Unbelagert. Pause. Nach ein paar Minuten kommt eine Radfahrerin. Sie hält und macht Pause auf ihrem Stammplatz. Sie schaut lächelnd auf Müsli und fragt: "Darf ich den Hund mal anlangen?" Müsli schaut Frauchen an, Frauchen Müsli. Und schon macht sie Platz, Hilft ja nichts.

© SZ vom 26.07.2021
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