bedeckt München 17°

Mitten in der Pandemie:Popeln erlaubt

Was früher als unschicklich galt, wird heute sogar dringend gefordert

Glosse von Christine Setzwein

Früher, also vor der Pandemie, bedeutete "die Ärmel hochkrempeln" sich anzustrengen, anzupacken, loszulegen. Heute krempelt man die Ärmel hoch, um sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Männer, die das besonders stilvoll machen wollen, finden jede Menge Anleitungen im Netz, da gibt es zum Beispiel die italienische oder die klassische Art, je nach Geschmack und Temperament.

Früher, also vor der Pandemie, galt in der Nase bohren als ziemlich unschicklich. Das ging nur im stillen Kämmerlein oder zur Not auch noch im Auto vor der Ampel. Kinder, die in der Nase bohrten und die Popel vielleicht auch noch in den Mund steckten, wurden schwer gerügt. Dabei haben angeblich Forscher herausgefunden, dass Popel-Essen gesund sein kann, weil die im Nasensekret enthalten Bakterien vor schädlichen Zahnerkrankungen wie Karies schützen und sich auch positiv auf den Magen- und Darmtrakt auswirken sollen. Aber das nur nebenbei.

Heute, in der Pandemie, ist Nasenbohren ausdrücklich erwünscht, ja sogar gefordert. Kinder dürfen nur noch in die Schule mit einem negativen Corona-Test, den sie freiwillig vor Unterrichtsbeginn in der Klasse machen können. Und was die Kleinen können, sollte den Großen nicht zu schwer sein. Gilchinger Gemeinderäte zum Beispiel können sich vor der Sitzung im Rathaus testen lassen. Wer negativ ist, darf rein und mitstimmen. Das ist auch in Pöcking so und Bürgermeister Rainer Schnitzler würde sich sehr freuen, wenn viele Gemeinderäte kämen und er in der Hybrid-Sitzung nicht mutterseelenallein im Rathaus sitzen müsste.

Darauf hofft auch der Feldafinger Bürgermeister Bernhard Sontheim. Der stimmt seine Gemeinderäte schon mal auf eine Sitzung mit vielen Tagesordnungspunkten und Referenten ein und möchte, dass alle dabei sind und sich vorher testen lassen. Die Feldafinger und Gilchinger tagen am 20. April, die Pöckinger am 22. April.

Passt: Am 23. April ist der "Internationale Tag des Nasenbohrens".

© SZ vom 15.04.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema