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Mitten im Alltag:Das Einmaleins des Ausgehens

Nach dem Lockdown muss die Feiertauglichkeit erst wieder trainiert werden

Kolumne von Natalie Stenger

Das Blickfeld verschwimmt, die Hand unterm Kinn rutscht langsam aber sicher weg, der Kopf sackt nach unten und zack - schon ist man wieder hellwach. Zumindest für ein Weilchen. Bevor er wieder kommt, der Sekundenschlaf. Mensch, lange ist es her, das letzte einschneidende Mal hatte man diese Müdigkeitsattacken wohl zu Schulzeiten; dass diese in gewaltiger Menge jetzt aber schon beim Ausgehen kommen, war so eigentlich nicht geplant.

Aber wahrscheinlich ist man langes Aufbleiben und Unterwegssein einfach nicht mehr gewöhnt. Dabei war es nur Pizza essen! Ein lang gedehntes zwar, immerhin gab es eine Menge zu erzählen nach monatelangem Freunde-Entzug, aber eben auch nur ein Abendessen. Und jetzt sitzt man in der altbekannten Bahn Richtung Heimat und döst in regelmäßigem Abstand ein. Das jahrelange Training ist dahin, alle durchtanzten Nächte und Treffen am See, die es in Zeiten vor Corona mal gegeben haben soll, scheinen nun umsonst gewesen zu sein! Wenn man es nicht mal mehr im Restaurant aushält mit der Müdigkeit, wie soll das erst werden, wenn irgendwann wieder ein normaler Partybetrieb möglich ist?

Vielleicht muss man sich die einstige Feiertauglichkeit einfach wieder Stück für Stück in den eigenen vier Wänden aneignen. Nur: Wie soll das gehen? Aufwendige Cocktails mixen? Mit Stoppuhr trinken? Alternativ könnte man lange Abendspaziergänge mit Kopfhörern unternehmen, auf voller Lautstärke versteht sich. In den Tiefen des Internets soll es gute Tanzvideos mit leicht verständlichen Erklärungen geben, vielleicht sind die eine Überlegung wert. Mit den Grooves kann man auch auf Abstand beeindrucken.

Nein, das ist irgendwie alles auch nicht das Wahre. Da heißt es wohl einfach "Augen zu und durch".

© SZ vom 06.07.2020
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