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Miteinander Füreinander 82131:Der beliebte Vize

Will die Bürger stärker in Planungen der Gemeinde einbinden: der Zweite Bürgermeister Jürgen Sklarek.

(Foto: Arlet Ulfers)

Jürgen Sklarek will die Nummer eins im Rathaus werden

Zehn Jahre war Jürgen Sklarek für die SPD im Gautinger Gemeinderat. Bis er wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem eigenen Ortsverein in Fragen der Gewerbepolitik und aus Verärgerung über bundespolitische Entwicklungen die Partei verlassen und mit seiner früheren Fraktionskollegin Stephanie Pahl eine eigene Gruppierung gegründet hat. Nun bewirbt sich der Spitzenkandidat von "Miteinander Füreinander 82131" auch für den Posten des Bürgermeisters. Sklarek, der bisher schon Stellvertreter von Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) ist, wird damit zugleich zu ihrem Herausforderer. Der etwas betulich klingende Name mit Postleitzahl soll signalisieren, dass sich die Gruppierung für alle Ortsteile zuständig sieht, nicht nur für Gauting selbst, sondern auch für Stockdorf und Königswiesen, Buchendorf, Hausen, Oberbrunn und Unterbrunn.

In ihren politischen Vorstellungen liegen die Amtsinhaberin und ihr Vize nicht so arg weit auseinander. Den Neubau auf dem ehemaligen Schulgrundstück an der Bahnhofstraße, in dem Läden und Wohnungen entstehen, halten beispielsweise beide für richtig. Das gilt auch für das geplante Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz, allerdings findet Sklarek, dass es kleiner besser passen würde und damit akzeptabler für Gilching. Unterschiedliche Vorstellungen gibt es dagegen bei der künftigen Entwicklung des früheren AOA-Firmengeländes. Sklarek lehnt einen Supermarkt dort ab und stellt sich damit gegen Kössingers Linie. Außerdem heißt es im Wahlprogramm von Mifü, die Gemeinde solle ihre Immobilien wie das Wunderl-Grundstück oder das an Firmen vermietete Geissler-Gebäude nicht einfach an den Meistbietenden verkaufen. Sklarek kündigt auch an, er wolle die Bürger frühzeitig in Planungen der Gemeinde einbinden. Als Diskussionsteilnehmer im Gemeinderat ist Sklarek kein Freund vieler Worte. Seine Statements sind kurz und prägnant. Sehr kurz manchmal, denn der gebürtige Münchner, der im Ort viele Sympathien genießt, hat die Eigenart, so schnell zu sprechen, als hätte er es eilig.

Der Mifü-Bürgermeisterkandidat ist 61 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern. Er ist seit 1994 Klinikarzt in Gauting, damals noch in der Lungenfachklinik der Landesversicherungsanstalt, dann als Oberarzt für Thoraxchirurgie in der Asklepios-Lungenfachklinik. Er ist dort auch Betriebsratsvorsitzender. "Ich liebe meine Arbeit als Arzt, doch ich bin auch gerne Vizebürgermeister. Ich rede gern mit den Menschen und finde, dass man ihre Sorgen ernst nehmen muss", sagt er. Jahrelang hat er mit großem Engagement die Anti-Raucher-Aufklärung an den Gautinger Schulen gemacht. Er würde das auch als Bürgermeister fortführen.

Privat ist Sklarek ein begeisterter Opernliebhaber, der vor allem ein Herz für unbekannte Opern hat. Er fährt bis zu 30 Mal im Jahr mit Frau und Tochter, die Theaterwissenschaften studiert hat, nach Graz oder Nürnberg. Daheim hat er etwa 2500 Schallplatten mit Opernarien, von Schellack bis CD, darunter auch Raritäten. In seiner Jugend habe er mit Schauspielerei geliebäugelt und auch mehrere Jahre Bauerntheater gespielt. Doch weil seine Oma unter schlimmen Bedingungen im Krankenhaus gestorben sei, habe er sich für den Arztberuf entschieden, "weil ich es besser machen wollte." Das gilt wohl auch fürs Bürgermeisteramt.

© SZ vom 18.02.2020
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