Schon vor der großen Abschlussparty zur 700-Jahr-Feier war es am Montagabend im Dießener Festzelt recht schwül und stickig. Nun aber strömten immer mehr Besucher hinein. Junge Burschen, Pärchen, Singles und auch ältere Ehepaare. Ziemlich weit vorn saßen schon drei erwartungsfrohe Teenagerinnen, gleich daneben auch die Anwältin Sandra Redeker und Angelika Hertz, die gern auch mal Männer bei diesem Wettbewerb auf der Bühne sehen würde. Doch diesmal sollte wieder die Wahl zur „Miss Dießen“ stattfinden, mit viel Spaß und geselliger Gaudi – zum ersten Mal nach zwölf Jahren.
Dafür musste Bürgermeisterin Sandra Perzul (Dießener Bürger) einige Kritik einstecken, weil eine solche Show-Veranstaltung „unzeitgemäß, diskriminierend und sexistisch“ sei. Doch davon ließ sich die Rathauschefin nicht beeindrucken und auch die große Mehrheit des Festausschusses hielt an dem Konzept fest, die Tradition wieder aufleben zu lassen. „Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten, bin ganz entspannt und freue mich auf diesen Abend“, betonte Perzul, die später auf der Bank mit Freunden tanzte. Denn auch die Band „Manyana“ heizte den rund 2000 Gästen kräftig ein, bevor die zwölf Kandidatinnen zur Miss-Wahl gegen 20 Uhr dem Publikum vorgestellt wurden – darunter drei junge Damen, die sich noch spontan gemeldet hatten und ausgelost wurden. Sie alle zeigten sich in schicken Dirndls, Röcken und Blusen, aber nicht freizügig oder aufreizend sexy.
Es galt die Vorgabe, mindestens 18 Jahre zu alt zu sein und Spaß an der Show zu haben. Und das war ihnen anzumerken. Zum Beispiel der zweifachen Mutter Conny, die als Startnummer 1 ins Rennen ging. Oder den Studentinnen Emily und Sofia, die viel Charme versprühten. Sogar eine 58-Jährige machte ohne Scheu mit, warum auch nicht. Diesmal hatten sich die Veranstalter etwas Besonderes ausgedacht: Die Bewerberinnen mussten eine volle Mass Bier möglichst lang in die Luft stemmen. Das gelang der 19-jährigen Leonie am längsten unter dem Gejohle ihres Fan-Tisches.

Aber noch waren launige Quiz-Aufgaben zu erledigen, die Marlene Hinterbichler, Vortänzerin vom Heimat- und Trachtenverein, und CSU-Gemeinderat Dominik Wimmer gekonnt moderierten. So sollten die Kandidatinnen mit Kreide auf der Rückseite ihrer Starttafeln die Einwohnerzahl von Dießen aufschreiben. Die meisten kamen sehr dicht an die richtige Lösung von 10 674 Einwohnern heran. Auch die Länge des Ammersees war zu notieren (15,1 Kilometer), es wurde gefragt, wie viele Fußballvereine es in der Marktgemeinde gibt und wie viele Hendl an den fünf Festtagen verspeist worden sind. Die Zahlen drei und 1900 waren die richtigen Lösungen.

Dann folgte noch ein Schnelldurchgang mit nicht ganz ernst gemeinten Entweder-oder-Fragen. Zum Beispiel: „Mittelmeer oder Ammersee, Fußpilz oder Steuererklärung, München oder Augsburg?“ Auch hier konnten die Frauen schlagfertig Punkte sammeln, ebenso bei der Frage, mit welchem Promi man gern mal eine Mass trinken würde. Genannt wurden unter anderem Jonny Depp, Manuel Neuer und auch Helene Fischer, die am Ammerseeufer gegenüber wohnt, also gar nicht weit entfernt.

Unterdessen fieberten die Menschen bierselig der Siegerehrung entgegen, die nach weiteren groovigen Songs der Band um 22.35 Uhr endlich verkündet wurde: Die Schärpe erhielt die Startnummer 2, also Leonie Fellner, die somit zur Nachfolgerin ihrer Cousine gekürt wurde, die 2014 zur vorerst letzten „Miss Dießen“ gewählt worden war. Die Siegerin, die schon beim Mass-Stemmen geglänzt hatte, freute sich riesig, nun die Familientradition hochgehalten zu haben – und natürlich auch über den ersten Preis: einen Rundflug mit Begleitung über den Ammersee. Mit 240 von 1000 Stimmen gewann die 19-jährige Auszubildende den Wettbewerb souverän vor Valentina Wimmer und Helga Lindner.
„Passt scho, alles witzig hier gelaufen“, bilanzierten Manfred und Markus, die aber ihre Favoritinnen nicht verraten wollten. Längst schunkelten andere junge Leute auf den Tischen und sangen kräftig mit. Die Stimmung kochte über und auch ältere Ehepaare tanzten ausgiebig und meisterhaft vor der Bühne. Die amüsante Schau und die rustikale Feierfreude der Dießener erfreute sichtbar das Herz der Bürgermeisterin. „Es ist ein toller Erfolg und ich bin total glücklich“, erklärte Perzul, der ihre Erleichterung über den gelungenen Abschluss der fünf Festtage von Dießen anzumerken war.

