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Maschinen vom Starnberger See:Pediküre für den Bundesliga-Rasen

Geräte der Höhenrainer Firma Kalinke pflegen Profiplätze in ganz Deutschland. Der Grüntechnikspezialist entwickelt auch Maschinen für Skihänge, Golfplätze und neuerdings für Blühwiesen.

Von Sabine Bader

Der Erfolg des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" hat Harald Kalinke ein neues Geschäftsfeld eröffnet. Denn der 56-Jährige hat erkannt, was den Gemeinden, die Blühwiesen entlang ihrer Straßen anlegen wollen, noch fehlt: ein Mini-Ladewagen, mit dem sie das anfallende Schnittgut aufsammeln können, ohne selbst zum Rechen greifen zu müssen. Der Prototyp steht bereits in Kalinkes Werkhallen in Höhenrain. Ende des Jahres soll das Gerät auf den Markt kommen. "Von ihm erwarte ich mir einiges", sagt Kalinke, der Maschinen zur Rasenpflege entwickelt und vertreibt.

Bereits seit 40 Jahren gibt es den Betrieb in Berg. Gegründet hat ihn Harald Kalinkes Vater. Der war Gemüsegärtner und wusste, was Pflanzen gut tut. Den grünen Daumen hat der Sohn offenbar von ihm geerbt. Er hat zwar nicht Gartenbau gelernt, sondern in München Betriebswirtschaft und Psychologie studiert und danach acht Jahre bei BMW gearbeitet. Aber als 1994 der Geschäftsführer der elterlichen Firma überraschend an einem Herzinfarkt starb, hat sich der Sohn zum Umsatteln entschlossen. "Es war eine der schwierigsten Entscheidungen meines Lebens", sagte er. Bereut hat er sie nicht. Im Gegenteil. "Inzwischen bin ich sehr froh. Denn ich sehe die Firma als meine zweite Familie an."

Der Rasene4xperte aus Höhenrain; Harald Kalinke

Die Pflege sensibler Rasenflächen ist das Metier der Agrartechnikfirma von Harald Kalinke.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Bundesweit einen Namen als Spezialist für Grünflächentechnik hat sich die Höhenrainer Firma durch ihre Maschinen zur Pflege von Fußball- und Golfplätzen gemacht. Pediküre für den Kickerrasen. Mit sogenannten Regenerationsgeräten wird der Platz bearbeitet. Die Besonderheit dabei ist, dass das Gerät viele kleine Löcher in die Rasenfläche sticht und mit einer leichten Hubbewegung den Boden lockert, ohne die obere Grasnarbe zu beschädigen. "Das Gras braucht einfach Luft", erklärt Kalinke. Oft werden die kleinen Öffnungen auch mit Sand gefüllt. Das eröffnet den Graswurzeln die Chance, besser nach unten zu wachsen, was den Rasen widerstandsfähiger macht und vor allem für Fußballplätze von Vorteil ist.

Mit Fußball kennt sich Kalinke aus. Schließlich hat er selbst 35 Jahre lang beim MTV Berg aktiv Fußball gespielt und weiß, welchen Belastungen der Platz ausgesetzt ist. Er ist übrigens glühender Löwenfan, auch wenn der FC Bayern, wie er sagt, zu seinen besten Kunden zählt. "Die Geräte von uns fahren fast in jedem Stadion - von der ersten Bundesliga bis zur Regionalliga -, da sind wir Marktführer." Die Maschinen zur Rasenregeneration werden in Holland gefertigt. Kalinkes Vater war seinerzeit an ihrer Entwicklung beteiligt. Sohn Harald und seine 26 Mitarbeiter, die meisten davon aus Berg, vertreiben die Geräte heute auf dem deutschen Markt.

Der Rasene4xperte aus Höhenrain; Harald Kalinke

Gemäht werden Fußballplätze, Blühwiesen oder Biotope. Repro: Franz-Xaver Fuchs

Überhaupt zählen so ziemlich alle Grünflächen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden, zum Geschäftsfeld der Höhenrainer Firma - darunter auch Biotope sowie Berg- und Skihänge. Letztere werden beispielsweise einmal pro Jahr in besonderer Weise gemäht. Dabei achtet man darauf, dass Stoppeln stehen bleiben, weil diese verhindern, dass der Schnee abrutscht. Ließe man das Gras ungemäht auf den Hängen wachsen, würde es sich umlegen und dem Schnee keinerlei Halt bieten. Entscheidend bei der erfolgreichen Skipisten- und Biotoppflege ist auch der besonders niedrige Schwerpunkt der Fahrzeuge. Er verhindert, dass diese an den Berghängen umkippen. Zudem müssen die Maschinen einen geringen Bodendruck aufweisen, damit sie die Biotopflächen nicht beschädigen. "Ein Spaziergänger macht mehr kaputt als diese Maschine", sagt Kalinke. Ein Unternehmen in der Schweiz fertigt die Zugmaschinen. Kalinke bietet in seiner Firma auch Schulungen an, damit die Fahrer wissen, was es auf sensiblen Flächen zu beachten gilt.

Ein drittes Standbein des Agrarmaschinenvertriebs ist die eigene Entwicklung von Spezialgeräten. Dazu zählt beispielsweise besagter kleiner Ladewagen, der das Schnittgut auf den blühenden Randstreifen aufnimmt und über Rechenwalzen auf die Ladefläche befördert. Auch ein elektrisches Mähwerk hat die Firma Kalinke bereits entwickelt. "Die strombetriebene Maschine stellt sicher, dass man in Biotopen keinesfalls Öl verliert", sagt der 56-Jährige. Im Einsatz sind die Geräte, die Kalinke in Bodenkirchen bei Landshut fertigen lässt, bereits in München, Hameln und Stockholm.

Kalinke lebt mit seiner Frau Elisabeth, 57, die auch im Betrieb mitarbeitet, nur einen Kilometer von der Arbeitsstätte entfernt in Biberkor. Allein die Nähe zur Arbeit bedeutet für die beiden "Lebensqualität pur". Die Kalinkes haben drei erwachsene Kinder. Das Paar mag es naturnah und hält sich im Garten Hühner, Enten, Katzen und Ziegen. Besonders die Enten haben es Kalinke angetan: "Wenn man mal gestresst ist und ihnen zuschaut, braucht man keinen Psychologen mehr."

© SZ vom 06.08.2020

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