Dießen„Raum, Weite, ozeanische Dehnung“

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Bis Ende April sind Bilder von Marion Bembé in Dießen ausgestellt.
Bis Ende April sind Bilder von Marion Bembé in Dießen ausgestellt. (Foto: Franz Xaver Fuchs)

Eine Ausstellung im ADK-Pavillon erinnert an die im vergangenen Jahr verstorbene Malerin Marion Bembé. Besonders die späten Arbeiten stellen einen Höhepunkt in ihrem Werk dar.

Von Katja Sebald, Dießen

Viele Jahrzehnte lang war Marion Bembé eine feste Größe im Dießener Kulturleben. Im vergangenen Dezember ist sie im Alter von 94 Jahren verstorben. Die große Malerin war sich nie zu schade, ihre Bilder, die in Ausstellungen in New York, Washington und Kopenhagen zu sehen waren, auch inmitten der kunstgewerblichen Erzeugnisse aus Dießen im Pavillon am See zeigen. „Warum sollte ich meine Bilder nicht neben eine schöne Keramikvase hängen?“, pflegte sie zu sagen. Die Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst (ADK) ehrt deshalb ihr langjähriges Mitglied in diesem Frühjahr mit einer Sonderausstellung: Bis zum 26. April ist im ADK-Pavillon in den Seeanlagen noch einmal eine Auswahl ihrer Bilder aus verschiedenen Epochen zu sehen.

Marion Bembé wurde 1930 in München geboren. Ihr Vater war Architekt und Städteplaner, die Mutter war Bildhauerin und entstammte der Familie Curry, zu der nicht nur der Landschaftsmaler Robert Franz Curry, sondern auch der Arzt, Erfinder und berühmte Segler Manfred Curry gehörte. Marion Bembé wuchs in München, in Riederau und zeitweise in den USA auf, wo sie auch das College absolvierte.

Anfang der Fünfzigerjahre begann sie an der Kunstakademie in München ein Studium der Malerei bei Josef Oberberger. Vor allem aber bekam sie durch Vermittlung ihres Vaters privaten Malunterricht bei Fritz Winter, einem der bedeutendsten Künstler der Nachkriegsmoderne in Deutschland. Zwischen Lehrer und Schülerin entstand eine freundschaftliche Verbindung, die bis zu Winters Tod im Jahr 1976 andauerte.

Bembé folgte Winter 1953 an die Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg und 1955 auch nach Kassel, als er eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste erhielt. Über den Unterricht bei Winter schrieb Bembé rückblickend: „Für mich war Fritz Winter ein wunderbarer Lehrer, weil er mich so gelassen hat, wie ich war. Er hat mir stets Mut gemacht und mich in meiner Entwicklung in jeder Weise unterstützt“.

Winter förderte seine Schülerin auch, indem er sie mit wichtigen Menschen aus seinem Umfeld bekannt machte. So lernte sie auch den Münchner Galeristen Günther Franke kennen, der ihre Werke in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen präsentierte. Marion Bembé reiste viel und lebte in den Fünfzigerjahren eine Weile in Paris.

Marion Bembe 2007 bei einer Ausstellung in der Galerie Marschall in Bernried. Im vergangenen Dezember ist die Künstlerin im Alter von 94 Jahren gestorben.
Marion Bembe 2007 bei einer Ausstellung in der Galerie Marschall in Bernried. Im vergangenen Dezember ist die Künstlerin im Alter von 94 Jahren gestorben. (Foto: Franz Xaver Fuchs)
Die Ausstellung dokumentiert, wie sich der Stil der Künstlerin im Lauf der Jahre verändert hat.
Die Ausstellung dokumentiert, wie sich der Stil der Künstlerin im Lauf der Jahre verändert hat. (Foto: Franz Xaver Fuchs)
Zu den ausgestellten Werken zählen auch abstrakte Kompositionen.
Zu den ausgestellten Werken zählen auch abstrakte Kompositionen. (Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Liste ihrer Ausstellungen ist lang, zwischen bedeutenden Stationen in Hamburg und Berlin, Washington und New York sowie Ausstellungstouren durch die USA und Italien findet sich im Lauf der Jahre immer wieder der Pavillon der Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst. Marion Bembé arbeitete bis ins hohe Alter. Zusätzlich zu ihrem Münchner Atelier hatte sie sich im Curry-Park im Dießener Ortsteil Riederau von ihrem Neffen Felix Bembé einen spektakulär schönen gläsernen Atelierbau errichten lassen.

Zusammen mit der Familie hat nun der ADK-Vorsitzende Wolfgang Lösche eine Ausstellung mit Bildern aus dem Nachlass zusammengestellt, die das künstlerische Leben von Marion Bembé nacherzählt. Sie beginnt mit einigen Blättern aus den frühen Fünfzigerjahren, die noch sehr deutlich vom Stil Winters geprägt sind. Aber spätestens in den Sechzigerjahren, nach dem prägenden Paris-Aufenthalt, beschreitet die junge Künstlerin einen ganz eigenen Weg: Aus dieser Zeit sind drei abstrakte Kompositionen zu sehen, in denen sie in einer spannenden Mischtechnik ebenso subtil wie kräftig Farbflächen aneinander setzt.

„Sie wollte Raum, Weite, ozeanische Dehnung gewinnen“, schrieb der ehemalige Direktor des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, Horst Keller, über diese Arbeiten. Und fast so, als habe der lichtdurchflutete Atelierpavillon der späten Jahre auch ihre Bilder beeinflusst, entstehen in der letzten Schaffensphase durchscheinende Papierarbeiten in zarten und luftigen Tönen. Seidenpapiere werden auf den Malgrund collagiert, feine Kratzspuren und sachte Linien stehen nun anstelle der entschiedenen Pinselstriche und tiefgründigen Farbflächen der früheren Jahre. Diese späten Arbeiten, in denen Künstlerin ihre Liebe zur Natur zum Ausdruck bringt, stellen noch einmal einen Höhepunkt in ihrem Werk dar.

Die Ausstellung zu Ehren von Marion Bembé ist bis zum 26. April im ADK-Pavillon in den Dießener Seeanlagen täglich von 12 bis 18 Uhr zu sehen.

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