Die massiven Vorwürfe über Missstände im Pflegebereich des Caritas-Altenheimes in Gauting will die Staatsanwaltschaft München II möglichst schnell aufklären. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung und Nötigung. Es sei auch denkbar, dass sich die Vorwürfe nicht bestätigten, "oder aber vielleicht neue Dinge auftauchen", sagte Sprecherin Andrea Titz auf Anfrage der SZ. Bislang hat die Kriminalpolizei mehrere Personen vernommen, darunter auch den Pflegeschüler, der den Fall ins Rollen gebracht hat.

Seitdem die möglichen Pflegemissstände öffentlich geworden sind, herrscht im "Marienstift" eine gewisse Beunruhigung. Auch Angehörige fragen jetzt häufig nach, bestätigt Doris Schneider, Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime in der Region. Wichtig sei es jetzt, den Bewohnern, Angehörigen und dem Personal "wieder Sicherheit zu geben", sagte sie der SZ. Die fünf Ordensschwestern, die gemäß Aufhebungsvertrag bis Ende März ihren Dienst verrichten, würden im Heim "gebührend verabschiedet", versicherte Schneider. Sie gehe davon aus, dass auch Bürgermeisterin Brigitte Servatius zur Feier eingeladen werde.
Die Rathauschef hatte in einer spontanen Pressekonferenz die Caritas für ihr "überzogenes Vorgehen" und die Beurlaubung des langjährigen Heimleiters kritisiert. Dies führte zu Irritationen bei dem kirchlichen Betreiber. Deren Sprecherin Adelheid Utters-Adam sagte dazu: "In der Regel ist es nicht sehr hilfreich, strittige Themen über die Medien zu diskutieren." Die Caritas-Sprecherin verteidigte nochmals das Durchgreifen nach internen Prüfungen. Als Träger habe man da nicht anders handeln können.
Im Fokus der Ermittlungen steht ein Bereich mit 50 Bewohnern. Dort sollen alte Menschen fixiert worden sein, obwohl das nicht nötig war, manche unzureichend gepflegt worden sein oder zu wenig zu trinken bekommen haben. Die Anschuldigungen haben auch den Gautinger Seniorenbeirat aufgeschreckt. Diese Interessenvertretung fordert nun mit Nachdruck einen Sitz im Heimbeirat. Ob dies auch gewünscht werde, ist laut Caritas die Angelegenheit der Heimbewohner.