GesangKapellmeisterin im Männerchor

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Johanna Dömel ist 39 und leitet die Chorgemeinschaft Seefeld/Wörthsee. Viele der Herren, die sie unterrichtet, sind mehr als doppel so alt wie sie.
Johanna Dömel ist 39 und leitet die Chorgemeinschaft Seefeld/Wörthsee. Viele der Herren, die sie unterrichtet, sind mehr als doppel so alt wie sie. Arlet Ulfers

Johanna Dömel gibt bei 35 Sängern den Ton an. Die 39-Jährige leitet die Chorgemeinschaft Seefeld/Wörthsee und hält die nicht mehr ganz jungen Herren musikalisch auf Trab.

Von Sabine Bader, Seefeld

Allein unter Männern: Für Johanna Dömel ist das kein Problem. Was heißt hier kein Problem? Es ist ihr ein Vergnügen. Denn die 35 nicht mehr ganz jungen Herren gehören der Chorgemeinschaft Seefeld/Wörthsee an, die Dömel leitet. Die Chorleiterin ist 39 Jahre alt. Sie hat mit ihrem Mann vier Kinder – zwei Mädchen und zwei Buben im Alter von zehn, acht, sechs und drei Jahren – und wohnt mit ihrer Familie in Hechendorf. Soweit die nüchternen Daten ihres Steckbriefes.

Chormusik und im Speziellen der Männerchor Seefeld haben schon in ihren Kindertagen eine große Rolle gespielt. Bei den Seefelder Sängern hatte bereits ihre Mutter Kristin Scheffels lange Jahre neben dem Kirchenchor und dem Wörthsee-Orchester den Ton angegeben. Als ihre Mutter vor 13 Jahren starb, hat Tochter Johanna diese Aufgabe quasi geerbt. „Ich bin tatsächlich sehr glücklich über dieses Erbe“, sagt Dömel heute.

Chöre zu leiten, das hat ihr schon immer „absolut Spaß gemacht“. Auch, was dies angeht, kommt sie nach ihrer Mutter.  Und so hat sie Schulmusik und Chorleitung studiert. In Teilzeit arbeitet sie derzeit am Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching als Musikpädagogin und Chorleiterin. Zuvor war sie als Musiklehrerin am Gymnasium Germering tätig. So gern sie gemischte Chöre und Schulchöre mag, so sehr schätzt sie doch den Klang reiner Männerensembles.

Auch hat sie festgestellt: „Das sind sehr, sehr nette Menschen.“ Es sei eben nicht so, wie man landläufig annehme, dass alle alt und verschroben seien und nicht bereit für etwas Neues. Das Gegenteil sei der Fall. „Sie sind absolut aufgeschlossen und sehr fortschrittlich. Wir haben eine moderne Homepage, auf der auch alle Noten stehen und wir kommunizieren per E-Mail“, erzählt sie. Dabei sind viele der Sänger zwischen 70 und 85 Jahre alt. Und was vor allem die Älteren unter ihnen beruhigen dürfte: „Die Stimme wird im Alter nicht schlechter“, sagt die Chorchefin. Denn trainiere man den Stimmapparat fleißig, bleibe er ungeheuer flexibel. Generell weiß sie seit ihrer frühesten Jugend: „Singen ist sehr gesund und hält Körper und Seele am Laufen.“

Bewegung ist angesagt bei der Chorprobe. Normalerweise proben die Sänger mit Chorleiterin Johanna Dömel (links) im Sudhaus des Schlosses Seefeld. Diesmal findet die Probe jedoch im alten Feuerwehrhaus in Steinebach statt.
Bewegung ist angesagt bei der Chorprobe. Normalerweise proben die Sänger mit Chorleiterin Johanna Dömel (links) im Sudhaus des Schlosses Seefeld. Diesmal findet die Probe jedoch im alten Feuerwehrhaus in Steinebach statt. Arlet Ulfers

Aber trotz allem muss die Frage erlaubt sein: Passen reine Männervereine heute überhaupt noch in die Zeit? Dömel ist sich sicher: „Musikalisch – vor allem klanglich – steht es für mich außer Frage, dass Männerchöre eine Berechtigung haben. Schließlich haben alle großen Komponisten für Männerchöre komponiert, ganz einfach, weil der Männergesang eine besondere Klangfarbe hat, die ich auch sehr, sehr schön finde und absolut erhaltenswert.“

In den vergangenen zehn Jahren haben nach Dömels Worten rund drei Viertel der Männerchöre im Landkreis Starnberg aufgegeben. „Das ist schon dramatisch“, findet sie.  „Und Corona war ihr Sargnagel.“ Tatsächlich hat die Pandemie sehr vielen Chören landauf, landab erheblich zugesetzt. So titelte 2021 beispielsweise die Stuttgarter Zeitung: „Das Virus und der Tod der Chöre.“ Ein Klassikforum meinte gar drastisch: „Corona killt die Chöre“.

Eben weil der Aderlass in Pandemiezeiten besonderes schmerzlich für Sänger war, zogen die beiden Männerchöre in Seefeld und Wörthsee eine weitreichende Konsequenz und schlossen sich 2023 zu einer Chorgemeinschaft zusammen. Ein Schritt, der beide Seiten dazu animierte, verkrustete Vereinsstrukturen aufzubrechen. Letztlich wird das als Bereicherungen empfunden. Heute proben und singen alle gemeinsam als stattliche Chorgemeinschaft.

Der Vorsitzende des Seefelder Chors, Roland Werb, begleitet die Sänger während der Probe mit dem Akkordeon.
Der Vorsitzende des Seefelder Chors, Roland Werb, begleitet die Sänger während der Probe mit dem Akkordeon. Arlet Ulfers

Wie weitreichend der Schritt ist, war allen Beteiligten bewusst. „Ich hatte sogar ein wenig Angst davor, aber es gab von Anfang an keinerlei Konkurrenzdenken. Alle waren aufrichtig nett zueinander und froh, dass sie jetzt einem größeren Chor angehören“, erinnert sich Dömel. Und so sitzt die Chorgemeinschaft nach jeder Probe für gewöhnlich noch auf ein Glas zusammen. Denn nicht nur das Singen, auch der Austausch ist allen wichtig.

Die Chorliteratur sucht Dömel selbst aus. Häufig sind es Stücke, die in vier Stimmlagen – Tenor 1, Tenor 2, Bass 1 und Bass 2 – gesetzt sind. „Ich wähle alles Interessante aus, was mir in die Finger fällt“, sagt sie leichthin. Das Repertoire des Chors reicht von Schubert und Brahms über Verdi bis hin zu Rock- und Pop-Songs. Gesungen wird Liedgut aus der ganzen Welt.  Bei aller Internationalität darf es natürlich auch gern mal etwas Bairisches sein. Musikalische Grenzen gibt es für die Chorgemeinschaft keine. Das schätzt auch Rainer Hange sehr, der bei den Sängern die Öffentlichkeitsarbeit macht.

Beide Chöre feiern gemeinsam Geburtstag, zusammen werden sie dieses Jahr 200 Jahre alt

Bei ihm und seinen Sangesfreunden dreht sich in diesen Tagen alles um das bevorstehende Fest der Chorgemeinschaft. Denn der Männerchor Seefeld wird 125 Jahre alt, der Männergesangsverein Wörthsee 75. Gemeinsam macht dies stolze 200 Jahre Männerchöre aus. Darum herrscht jetzt vier Tage lang – von Donnerstag bis Sonntag, 16. bis 19. Oktober, – musikalischer Ausnahmezustand im westlichen Landkreis Starnberg.

Geplant sind an den vier Tagen insgesamt sechs Veranstaltungen. Den Auftakt macht am Donnerstag ein Konzert mit dem Duo Klangzeit im Augustiner am Wörthsee. Am Freitag steigt im Bräustüberl des Schlosses Seefeld ein „Wirtshaussingen“, bei dem alle Besucher zum Mitsingen eingeladen sind. Im Anschluss daran ist nebenan im Sudhaus ein offenes Volkstanzen mit den Zwiderwurzn und den Donarbichlern. Der große Fest- und Konzertabend mit etlichen musikalischen Gästen findet am Samstag im Pfarrsaal Peter und Paul in Oberalting statt. Nach dem ökumenischen Festgottesdienst am Sonntag heißt es am Nachmittag im Pfarrsaal Peter und Paul „Wir singen und musizieren“ mit jungen und alten regionalen Talenten. Da treffen Profis auf Laien, Ensembles auf Solostimmen und Klassik auf Moderne. Die Veranstaltung, die Johanna Dömel ganz besonders am Herzen liegt, ist für die ganze Familie gedacht. Sogar eine Kinderbetreuung gibt es.

Insider rechnen zudem damit, dass im Verlauf der Festtage auch die „Scheffels Sisters“ mit von der Partie sein werden. Gemeinsam mit ihrem Bruder Daniel am Schlagzeug und ihren drei Schwestern Julia, Sophia und Amelie wird dann auch Chorleiterin Johanna, die ebenfalls eine geborene Scheffels ist, auf der Bühne stehen.

Näheres zum Festprogramm und den genauen Uhrzeiten im Internet unter Maennerchor-Seefeld.de

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